Die Beste aller Welten

Claude Lévêque · Sans titre (Arbeit macht frei), 1992, Neon und Metall, 100 x 400 cm © Pro Literis. Foto: Hugues Bigo

Claude Lévêque · Sans titre (Arbeit macht frei), 1992, Neon und Metall, 100 x 400 cm © Pro Literis. Foto: Hugues Bigo

Su-Mei Tse · Many Spoken Words, 2009, und Davis Zink Yi · Palm Trees, 2009. Ausstellungsansicht MUDAM. Foto: Sennewald

Su-Mei Tse · Many Spoken Words, 2009, und Davis Zink Yi · Palm Trees, 2009. Ausstellungsansicht MUDAM. Foto: Sennewald

Hinweis

Die Beste aller Welten

Von der Welt das Beste will aktuell im Steuerparadies Luxemburg das MUDAM, funkelnagelneues, 2006 eröffnetes Museum für zeitgenössische Kunst. Direktor Enrico Lunghi meint nicht den Mammon, sondern Aldous Huxleys «Brave new world». Der französische Titel erinnert an Voltaires «beste aller Welten», ihrerseits von Leibniz entlehnt. Lunghis erster Ausstellung geht es um Weltaneignung, Kritik und Transfer. Vor einem Jahr kam er vom experimentellen Kunstzentrum Casino Luxemburg ans MUDAM, viele Werke der Sammlung verdanken sich dessen Produktionsarbeit, welche die fast zwanzigjährige Wartezeit bis zur Fertigstellung des Museums überbrückte. Oft greift man zurzeit in Museen auf budgetschonende Sammlungs-Neuordnungen zurück - und auf grosse Themen, wie Geschlecht («Elles» im Centre Pompidou) oder Leben («Das Leben, von der Kunst festgehalten» seit 5.2. im CAPC). Solche Zuspitzung gibt Kuratoren Auswahlkriterien und Besuchern rote Fäden an die Hand. Lunghis Rundgang in vier Kapiteln durch die Werke der Sammlung führt in Ieoh Ming Peis beeindruckender Architektur die hohe Qualität der jungen Sammlung vor. Begonnen 1996, enthält sie fast nur Werke seit den Achtzigern. Manchmal etwas zu passend hat er Sinncluster kombiniert: Eine Leinwand mit wilden Farben von Rosson Crow ergibt zusammen mit Claude Lévêques Neon-Micky Maus neben dem Schriftzug «Arbeit macht frei», einer grauen Leinwand mit Würstchen drauf von Daniel Ocampo und einer Installation von Damien Deroubaix eine nette Punk-Ecke. Subtiler erzeugt die Kombination von Su-Mei Tses Brunnen voll schwarzer Tusche und David Zink Yi's schroffen Aluminiumpalmen einen beissenden Kontrast zur Museumsarchitektur, die hier an ein Luxushotel denken lässt. Der feine kritische Ton,
den auch Huxleys Weltschau anschlägt, durchklingt die ganze Ausstellung, um in Antoine Prums Film «Mondo Venziano» zum spöttischen Höhepunkt zu gelangen. Die Dialoge des B-Movie sind vollständig aus jüngsten Schriften von Kuratoren und Kritikern montiert, im Film tötet der Kunsttheoretiker den Künstler. Der sarkastisch-ironische Kommentar dazu, wie der Kunstbetrieb der Welt das Beste abzuringen sucht, wird von Danica Phelps' Arbeit in
der Ausstellung «Everyday(s)» im Casino zugespitzt: Sie hat die exakten Aufwendungen für Kunstproduktion und Lebenshaltung in einem Haushaltsbuch aufgezeichnet. Hübsch in roten Ausgaben- und grünen Einnahmen-Streifen ausgeführt, zeigt das Kunstwerk: der Preis für die Beste aller Welten ist das tätige Leben.

Bis 
22.05.2010

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