L'apparition des images

Lisa Oppenheim · Heliograms, 1876/2011.
Foto: Aurélien Mole

Lisa Oppenheim · Heliograms, 1876/2011.
Foto: Aurélien Mole

Hinweis

L'apparition des images

«So fühlt man Absicht und man ist ­ver­stimmt» - was Goethe seinen an der Welt verzweifelnden Dichter Torquato Tasso sagen lässt, passt auf manche von Kuratoren zurechtgedachte Ausstellung. So auch auf die von Audrey Illouz über das Erscheinen der Bilder. Ohne Lektüre des Begleittextes sieht man Werke, die festhalten, was vor oder nach Bildern mit deren, meist fotosensiblem, Trägermaterial geschieht. Ästhetisch ansprechende Arbeiten entstehen, wie die ‹Heliograms›, 1876/2011, von Lisa Oppenheim: abfotografierte Sonnenaufnahmen des Pioniers der Himmelsfotografie Henry Draper, bei der Entwicklung auf Fotopapier wiederum Sonneneinstrahlung ausgesetzt. Resultat: Schemenhafte Sonnenscheiben auf schwarzem Grund. Doch viele andere Arbeiten - bunt oxidierte Kupferplatten (Juliana Borinski), Acryl mit Silberablagerungen auf Leinwand (Jacob Kassay) oder ein farbiges Rayogramm (Eric Baudelaire) - handeln nicht von Bildern. Sie unternehmen eine Phänomenologie des Materials, loten dessen ästhetisches Potenzial aus. Die Kuratorin möchte sie mit Rosalind Krauss' Überlegungen zur Silbergelatine-Fotografie gelesen wissen. Wer dem nicht folgt, findet viel sinnlichen Anlass zum Nachdenken über die Erscheinung - auch der eigenen. Und ruft beim Verlassen mit Goethe den postkonzeptuellen Kuratoren hinterher: «Worte sind der Seele Bild - Nicht ein Bild! Sie sind ein Schatten!»

Bis 
01.03.2013

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