Vier Solos - Erkundungen zwischen Architektur und Kunst

Karin Hueber · Traceur/Traceuse, 2014, Installation. Foto: Gina Folly

Karin Hueber · Traceur/Traceuse, 2014, Installation. Foto: Gina Folly

Boris Rebetez · Columnist, 2014, Installation. Foto: Gina Folly

Boris Rebetez · Columnist, 2014, Installation. Foto: Gina Folly

Besprechung

In Installationen und räumlichen Interventionen setzen sich vier Kunstschaffende mit dem Gebäude des Kunsthaus' Baselland auseinander. Die Befragung der Industriearchitektur ist zugleich ein Ausloten des Verhältnisses von Architektur und Kunst und der Bezüge zwischen Funktion und Imagination.

Vier Solos - Erkundungen zwischen Architektur und Kunst

Die spielerischen skulpturalen Setzungen von Karin Hueber (*1977, Zwingen) treten mit dem Eingangsbereich des Kunsthauses und den sich anschliessenden räumlichen Verzweigungen in einen vielschichtigen, körperlichen Dialog. Pastellfarben bemalte Objekte erinnern an seltsam verzogene Turngeräte oder an Rampen für BMX-Räder im urbanen Raum. Mit dem Titel ‹Traceur/Traceuse› verweist die mehrteilige Installation auf die relativ junge Sportart Parcours. Traceurs und Traceuses bewegen sich in Städten und Vorstädten mit waghalsigen Sprüngen durch triste Betonverbauungen. Die Platzierung der Objekte und die an den Wänden deutlich sichtbaren Spuren professioneller Parcoursläufer, welche die Arbeiten und Raumverhältnisse erprobt haben, lassen in der Vorstellung die körperlichen Bewegungen lebendig werden. Karin Hueber, mit erfrischend pragmatischem Blick, verschiebt die Wahrnehmung schwieriger urbaner Räume in den Diskurs von Architektur und Kunst, wodurch das Thema aufbricht und sich neue Sichtweisen öffnen.
In eine ganz andere Richtung führen die Interventionen von Boris Rebetez (*1970, Lajoux), die dramaturgisch geschickt von Raum zu Raum in zunehmende Dämmerung gehüllt sind. Unter dem Titel ‹Columnist›, eine sprachliche Doppelbödigkeit zwischen Säule und Schreibendem, führen ein Grundrissplan und zwei grosse, weiss gekachelte Pfeiler von bestürzender Sterilität zu einer Projektion von Bildern einer neoklassischen Palastarchitektur im letzten der drei Räume. Die mächtigen Pfeiler sind mit ihrer bedrückenden Anonymität Teil des kollektiven Gedächtnisses urbaner Unorte. Im träumenden Dämmerlicht der Ausstellungsräume treten sie jedoch in ein schillerndes Verhältnis zu den demonstrativ repräsentativen Gesten des Palastes. Je mehr sich dessen Pathos als entleert erweist, desto mehr füllen sich die anonymen Pfeiler mit Erlebtem. Es entsteht eine Atmosphäre des kontemplativen Erinnerns und Nachdenkens über Funktion und Imagination von Architektur, der man sich kaum entziehen kann. Während Hueber und Rebetez neue, ungesicherte Blicke auf das Verhältnis von Kunst und Architektur wagen und ihre Arbeiten eine bemerkenswerte physische und psychische Präsenz entwickeln, bewegen sich David Keating (*1977, Melbourne) und Felix Schramm (*1970, Hamburg) im vertrauten Rahmen globaler Gegenwartskunst. Routiniert und korrekt platziert, vermeiden ihre Eingriffe weitgehend jedes Risiko und entziehen sich der Chance neuer Sichtweisen.

Bis 
22.03.2014

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