Teilchenparadies

Johann Gottfried Steffan · Mittag am Klön­taler­see, 1875; Ray und Charles Eames, Lounge Chair, 1956; Caroline von Gunten, Volition, 2014, Audioarbeit. Foto: Viktor Kolibàl

Johann Gottfried Steffan · Mittag am Klön­taler­see, 1875; Ray und Charles Eames, Lounge Chair, 1956; Caroline von Gunten, Volition, 2014, Audioarbeit. Foto: Viktor Kolibàl

Monica Studer/Christoph van den Berg · Cervelat, 2009; diverse Möbel von vitra. Foto: Viktor Kolibàl

Monica Studer/Christoph van den Berg · Cervelat, 2009; diverse Möbel von vitra. Foto: Viktor Kolibàl

Hinweis

Teilchenparadies

Ein Kunstgenuss der besonderen Art lässt sich im Sitzen (!) derzeit in der Ausstellung ‹Teilchenparadies› im Kunst Raum Riehen erfahren. Kurator Nicolas Kerksieck trotzt dem ewigen Stehen im aseptischen White Cube durch feinsinnig ausgewählte und platzierte Sitzmöbel, Teppiche und Pflanzen. Inseln des Schöner-Wohnens, die - durch stehende Scheinwerfer beleuchtet - als künstliche Settings reflektiert werden. Anhand beispielhafter Fragmente kreist ‹Teilchenparadies› um Illusionen und Brüche, um die Sehnsucht nach dem richtigen Leben, das mit dem bittersüssen Empfinden einer unerreichbaren Nähe einhergeht. Im Gartensaal auf einem echten Eames Lounge Chair bequem gebettet, fällt der Blick auf eine idealisierende Landschaftsdarstellung der Glarner Alpen von Johann Gottfried Steffan, wie er sie um 1875 vielfach zur Erfüllung der idyllischen Träume des Bürgertums in den alpenfernen Länder malte. Gleichzeitig dringen aus Caroline von Guntens Audioinstallation beschwörende Machtworte von Führungspersönlichkeiten ans Ohr, kurze, nachgesprochene Sequenzen aus Filmen wie ‹Rambo› oder ‹Independence Day›. Andernorts lösen Christoph Schneiders subtile Fotomontagen von banalen Sujets beunruhigende Irritationen aus. Man spürt, dass etwas nicht stimmen kann: ein Autobahnabschnitt vor einem zu grossen, dunklen Wald, Markisen ohne Balkone, eine verdorrte Stadtbauminsel im Dunst auf Ackerland. Auf dem edlen Sofa im Parterresaal sitzend weckt die gegenüber hängende Arbeit ‹Cervelat› von Monica Studer/Christoph van den Berg, in der eine aufgespiesste Wurst, ein sehr bekannter Markensenf oder eine Schweizer Militärdecke zu sehen sind, Erinnerungen an ähnlich bestückte Grillpausen im Freien. Das Bild ist indessen komplett konstruiert, eine digital geschaffene Illusion, am Computer ebenso kunstvoll modelliert und mit Lichteffekten und Spiegelungen verfeinert wie die Ölmalerei von Steffan: Fensterbilder. In den Obergeschossen verschränkt Philip Loskant fantastische Plastikmodellbauleidenschaften mit dem inständigen Transzendenzstreben des Kathedralenbaus, während Eberhard Tröger die Mimikrylist einer Orchideenart als raffinierten Fortpflanzungsmodus enthüllt. Und jeden Freitag um 16.30 Uhr werden täglich geschriebene Briefe vorgelesen, die sich Sarina Scheidegger und Ariane Koch nach Riehen zusenden. Sie überwinden geografische Ferne zeitlich versetzt und lassen gleichzeitig private Reflexionen öffentlich werden.

Bis 
28.02.2015
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunst Raum Riehen Schweiz Basel/Riehen
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Teilchenparadies 31.01.201501.03.2015 Ausstellung Basel/Riehen
Schweiz
CH
Autor/innen
Yvonne Ziegler

Werbung