Domestic

Domestic · Like Pre Raphaelite Brotherhood, 2017, Ausstellungsansichten Truth and Consequences, Genf. Foto: Annik Wetter

Domestic · Like Pre Raphaelite Brotherhood, 2017, Ausstellungsansichten Truth and Consequences, Genf. Foto: Annik Wetter

Hinweis

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Es kommt heute selten vor, dass sich Kuratierende dezidiert auf antiprogressive Künstler/innen einlassen, die sich in den Fussstapfen der Troubadours, Nazarener, Präraffaeliten, Nabis, Giorgio Morandis oder auch der Arte Povera mit der Antike und dem Mittelalter auseinandersetzen. Eher triumphiert im Moment eine Kunst, die sich (zweck-)optimistisch im Gleichschritt mit der technischen, mate­riellen und medialen Entwicklung einer Epoche bewegt. Eine Kunst, die nur noch spiegelt, wie wir in unseren eigenen Kopfgeburten leben. Diese beschleunigte Emanzipation von allem, was uns mit der Natur verbindet, entspringt jedoch nicht nur dem frommen Wunsch, die Conditio humana zu verbessern, sondern ist ebenso von Habsucht und Machtgier getrieben. Mag sich trotz der globalen Bevölkerungsexplosion vieles im Schnitt verbessert haben, sind die Klüfte zwischen den individuellen Möglichkeiten zugleich breiter geworden. Immer mehr Menschen leben unter Umständen, die sie krank und verrückt machen.
Die Kuratorinnen Charlotte Cosson und Emmanuelle Luciani, die in Marseille die Künstlerresidenz ‹South Way› betreiben, stellen in ihrem neuen Ausstellungszyklus Kunstschaffende vor, die den Ausweg aus der Krise in einer kreativen Appropriation vormoderner Techniken sowie antiker und mittelalterlicher Lebensformen wie spiritueller Gemeinschaften sehen. Den White Cube der Galerie Truth & Consequences haben sie mit lichten Naturfarben, geschwungenen und gewundenen Formen so verändert, dass sein Innenleben zu explodieren scheint. Nebst dem mit Ocker-, Zinnober- und Azurtönen überstrichenen Vinylsofa der venezolanischen Künstlerin Sol Calero, die in ihrem Werk die Hollywood-Konstruktion der Latino-Identität humorvoll hinterfragt, sind vor allem Keramiken sowie gewirkte und geknüpfte Textilien zu sehen, etwa von Betty Woodman, Dewar & Gicquel und Octave Rimbert-Rivière bzw. Caroline Achaintre. Theoretisch unterfüttert von der uralten und u.a. von Nietzsche und Benjamin wiederbelebten Idee einer ewigen Wiederkunft, sind nicht wenige Werke durch Kooperationen mit nachhaltigen, von den Kunstschaffenden mitgetragenen Produktionsstätten entstanden. Dadurch ergibt sich ein horizontales Miteinander zwischen den beteiligten Menschen und eine beglückende Rückkopplung an ein natürliches Leben, an die Erde und den Stein.

Bis 
18.03.2017
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domestic 28.01.201718.03.2017 Ausstellung Genève
Schweiz
CH

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