Andrea Büttner

Andrea Büttner · Ausstellungsansicht Galerie Tschudi, Zuoz. Foto: Ralph Feiner

Andrea Büttner · Ausstellungsansicht Galerie Tschudi, Zuoz. Foto: Ralph Feiner

Andrea Büttner und Richard Long · Bark Circle, 1993, Larch Bark, ø 800 cm, Courtesy Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Ralph Feiner

Andrea Büttner und Richard Long · Bark Circle, 1993, Larch Bark, ø 800 cm, Courtesy Galerie Tschudi, Zuoz © ProLitteris. Foto: Ralph Feiner

Hinweis

Andrea Büttner

Mit Andrea Büttner, Su-Mei Tse und Kimsooja bestreiten dieses Jahr in der Galerie Tschudi in Zuoz drei Frauen die Winterausstellung. Neu im Programm ist dabei Andrea Büttner mit ­ihrem komplexen, jüngst für den Turner-Preis nominierten Werk, das «Marginalisiertes» in den Blick nimmt.
Einfarbige Drucke von Holzschnitten, die einfache Gestalten mit verdeckten Gesichtern zeigen, hängen an den rohen Steinwänden des ehemaligen «Heustalls». Es sind die ‹Beggar[s]›, Bettler, 2015/2016, der deutschen Künstlerin Andrea Büttner (*1972), die sie mit wenigen Kerben herausgearbeitet hat. Im hohen Raum ist es kalt, grosse Spalten zwischen den Brettern der Längswand geben Blicke in den Schnee frei. Auf dem Boden liegt ein Kreis aus arrangierten Rindenstücken von Richard Long. Es herrscht eine seltsam ruhige, fast kontem­plative Stimmung - kein Schrecken wird vermittelt, eher eine stille Traurigkeit.
Andrea Büttner, die jüngst für den Turner Prize nominiert war, beschäftigt sich mit Themen, die lange nicht als darstellungswürdig erachtet wurden. Sie behandelt Armut und Scham, jedoch nicht anklagend und drastisch. Sie interessiert sich für das Existenzielle und Unbeachtete: Das Beispiel des Brotlaibs zeigt diese Reduktion aufs Wesentliche. Brote erscheinen einerseits als collagierte Fotos auf den Hinterglasarbeiten ‹Bread Painting[s]› von 2016. Andererseits treten in ihrem Werk schon seit Längerem abstrakte, unregelmässige und ovale Formen auf, die zwar an Brote oder Knollen erinnern, aber nur gelegentlich im Werktitel explizit definiert werden. Weiter sind für Büttner einfache «Gesten» ­zentral, wie sie die Kassierin ‹Minerva› in einem amerikanischen Supermarkt wiederholt und im gleichnamigen Video der Künstlerin von 2011 ausführt.
Auf anderen Drucken zeigt Büttner vergrösserte Fettrückstände auf dem Smartphone und lässt sie in Farbe zum Zeugnis alltäglicher Spuren werden. Sie verfolgt damit eine Praxis der eingehenden Betrachtung unserer Beziehungen zur Welt in «ethischen und ästhetischen Prozessen», wie Salome Hohl im hilfreichen Saaltext darlegt.
Die Hängung im altehrwürdigen Engadiner Haus ist gelungen. Man könnte einen versierten Kurator oder eine Kuratorin am Werk vermuten, wenn Büttner nicht selbst studierte Kunsthistorikerin wäre. So hängt sie etwa in der holzgetäferten Stube, heute das Büro, wo früher in Bauernhäusern oft Butzenscheiben zu finden waren, gezielt kleine abstrakte Hinterglasbilder. Im sensiblen Umgang mit der historischen Bausubstanz kreiert sie einen stillen Dialog mit ihren Werken. Die Ausstellung überzeugt gerade durch diesen im Galeriekontext eher selten beobachteten «unglamourösen», jedoch subtilen und konsequenten Auftritt.

Bis 
17.03.2018

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