Carmen Perrin, Pierre-Alain Zuber

Carmen Perrin und Pierre-Alain Zuber · Cela va faire des vagues, 2018, Installationsansichten Ferme-Asile, Sion, 2018

Carmen Perrin und Pierre-Alain Zuber · Cela va faire des vagues, 2018, Installationsansichten Ferme-Asile, Sion, 2018

Hinweis

Carmen Perrin, Pierre-Alain Zuber

Blickt man in Dachstühle, gondelt man mit seinen Gedanken oft nicht ohne einen Anflug von Seekrankheit über das Meer. Nicht umsonst wurden die Gebäudeteile profaner und sakraler Basiliken, die oft den Blick auf die Verstrebungen der Holzbalken freigaben, ehe man sie mit Decken zu verschliessen oder an ihrer Stelle die Mauern einzuwölben begann, als Schiffe bezeichnet. Von Anfang an schwang in diesem Begriff die Schicksalsgemeinschaft der Menschen mit, für welche diese Gebäude wichtige Bezugspunkte waren.
Bereits an der letztjährigen Biennale von Venedig zapfte eine monumentale und spektakuläre Installation im Italienischen Pavillon im Arsenale das reiche metaphorische Potenzial von Dachstühlen an. So hob Giorgio Androtta Calò in einem dieser schummrigen Hangars ein Wasserbecken auf einen Stützenwald just unter den Dachstuhl, sodass sich für das Publikum, das von einer Estrade auf den Spiegel blicken konnte, nicht nur die Welt aus den Angeln hob. Angesichts der Schiffrumpf-Dachstuhl-mässigen Abschlüsse unten und oben, die diese mit ‹Senza Titolo (La fine del mondo)› bezeichnete Arbeit suggerierte, glaubte man, vielleicht ohne irdische Heimat mehr (Titel lenken die Lektüre), wie in einer Kapsel durch Raum und Zeit zu schweben.
Nun ist in der Walliser Ferme-Asile Carmen Perrin und Pierre-Alain Zuber unter einem riesigen Dachstuhl ein ähnlicher Geniestreich gelungen, der jedoch fast ohne Material auskommt, Material, das die beiden nicht an Ort und Stelle gefunden hätten, nämlich der Scheune über dem Stall des riesigen Ökonomiegebäudes, das früher zum Spital von Sion gehörte. Sie rissen mit ihrem Team schlicht und einfach die Balken aus dem Boden über den ehemalige Kanälen, durch die das Heu für die Kühe von der Scheune in den Stall hinuntergestossen wurde, und legten sie über Metallschienen mit dazwischen gespannten Keilen in zwei Reihen von Wellen. Schwungvoll und spannungsgeladen verleihen sie der Kraft der ersten Gedanken beim Blick in Dachstühle eine physische Artikulation, die zu weiteren Asso­ziationen führt, Bergen oder Brücken etwa, den Walzen und den Bändern von Musikdosen und Spieluhren, Zungen von Meeresungeheuern, Drachen, Höllenhunden. Auch an der Paarung und Scheidung der Linien, dem Schattenspiel der bewegten Flächen, wenn man um sie herumspaziert, kann man sich fast nicht satt sehen. Die Installation hat schon Wellen geworfen. An ihrer Einweihung war das von der Direktorin Isabelle Pannatier und der Kuratorin Véronique Mauron navigierte Schiff der Ferme-Asile rappelvoll.

Bis 
04.03.2018

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