James Turrell - No-Thing

James Turrell · Elliptical Glass: Kepler 452 b, 2017, LED, Stahl, Glas, Korian, Öffnung 120 x 76 cm, Rahmen 234 x 135,5 x 37 cm, Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, Courtesy Häusler Contemporary München/Zürich. Foto: Florian Holzherr

James Turrell · Elliptical Glass: Kepler 452 b, 2017, LED, Stahl, Glas, Korian, Öffnung 120 x 76 cm, Rahmen 234 x 135,5 x 37 cm, Ausstellungsansicht Häusler Contemporary Zürich, Courtesy Häusler Contemporary München/Zürich. Foto: Florian Holzherr

Besprechung

‹The Elliptical Glass› bei Häusler Contemporary ist ein Querschnitt durch das künstlerische Œuvre James Turrells. Die Ausstellung zeigt, wie Turrell Licht als Material verwendet und in seinem Schaffen nicht das körperliche Objekt, sondern die sinnliche Erfahrung im Vordergrund steht.

James Turrell - No-Thing

‹Elliptical Glass: Kepler 452 b› ist die neuste Installation des amerikanischen Konzeptkünstlers James Turrell (*1943, Los Angeles), die gleich im ersten Raum von Häusler Contemporary zu sehen ist. Dafür wurde eine ovale Form in die Wand gefräst, die von programmierten LEDs bespielt wird. Die projizierten Farbverläufe verändern sich beinahe unbemerkt vom eigenen Auge. Schon nach kurzer Zeit sind Fläche und Tiefe nicht mehr zu unterscheiden. An dieser Lichtinstallation lassen sich einige der wichtigsten formalen und inhaltlichen Aspekte ablesen.
Begonnen hat Turrells künstlerische Laufbahn in den Sechzigerjahren, der Zeit des Abstract Expressionism, der Minimal und Conceptual Art. Wie viele andere Künstlerinnen und Künstler der Nachkriegszeit stellte er überkommene Begriffe infrage und begann Materialien zu verwenden, die vom traditionellen Kunstkanon abwichen - darunter das Licht. Dieses wurde zwar über Jahrhunderte als Gestaltungsmittel verwendet, beispielsweise zur Erzeugung räumlicher Tiefe oder verschiedener Stimmungen in der Malerei der Renaissance und des Impressionismus, aber nie als eigentliches «Material». 1968 mietete Turrell ein verlassenes Hotel in Santa Monica und begann mit den Eigenschaften von Licht und Raum zu experimentieren. Er dunkelte die Räume ab, fräste Löcher in die Wände und verwendete alte Theaterprojektoren, um Wirkung und Wahrnehmung des physikalischen Phänomens zu erforschen. Dabei entstand die Installation ‹Carn Green›, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Ein grünes Licht wird in die Ecke eines dunklen Raums projiziert, das nicht als Fläche, sondern als dreidimensionales Objekt wahrnehmbar ist. Turrell konzipiert aber auch ortsbezogene Installationen. ‹The Roden Crater› ist sein bisher umfangreichstes Projekt. Seit Mitte der Siebzigerjahre realisiert er es in einem erloschenen Vulkan in der Wüste Arizonas. Dabei wurden an Observatorien angelehnte Räume errichtet, ausgestattet mit astronomisch berechneten Öffnungen, wodurch das Licht bestimmter Himmelskörper ins Innere dringt. So ist nun unter anderem ein Modell von ‹South Space› zu sehen, eine Installation, die zum Polarstern ausgerichtet ist.
Wichtig ist Turrell nicht das physische Objekt, sondern die Erfahrung, die bis ins Transzendentale reichen kann. Selbst sagt er dazu: «My work is more about your seeing than it is about my seeing, although it is a product of my seeing. I'm also interest­ed in the sense of presence of space; that is space where you feel a presence, almost an entity - that physical feeling and power that space can give.»

Bis 
24.03.2018

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