Katinka Bock - Sonar / Tomorrow's Sculpture

Katinka Bock · For Your Eyes Only, 2017, Silbergelatine-Abzug, 42 x 52 cm, Courtesy the artist und Meyer Riegger, Berlin

Katinka Bock · For Your Eyes Only, 2017, Silbergelatine-Abzug, 42 x 52 cm, Courtesy the artist und Meyer Riegger, Berlin

Besprechung

Mit ‹Sonar / Tomorrow’s Sculpture› präsentiert das Kunstmuseum Winterthur die erste Einzelausstellung der Bildhauerin und Installationskünstlerin Katinka Bock. Sie befasst sich mit Raum und Zeit, greift kunsthistorische Traditionen auf und formt diese nach ihren eigenen Vorstellungen.

Katinka Bock - Sonar / Tomorrow's Sculpture

Die erste Installation von Katinka Bock (*1976, Frankfurt/M) befindet sich im Obergeschoss des Museums, zwischen den Vertreter/innen der Avantgarde. Es handelt sich um ‹Miles and Moments›, 2010, eine Arbeit aus sechs gerollten Tonelementen, die auf einer sechsspurigen Schnellstrasse in Detroit ausgelegt wurden. Die Reifenspuren der darüberfahrenden Autos wurden anschliessend in das Material eingebrannt. Die erstmals 2011 an der Biennale de Lyon gezeigte Installation zieht sich nun mit einer Gesamtlänge von über 15 Metern durch zwei Räume des Museums, vorbei an De Chirico und Magritte. Während ‹Miles› auf eine räumliche Dimension verweist - auf die zurückgelegten Meilen eines Fahrzeugs - steht ‹Moments› für eine zeitliche Dimension - für das Konservieren eines sonst vergänglichen Moments. Die Beschäftigung mit Raum und Zeit ist auch in ihren Fotografien sichtbar: Darin hält sie Abdrücke von Socken oder von feinen Grashalmen fest, die sich gleichermassen auf der Haut eingeprägt haben wie die Reifenspuren auf dem Ton.
Für die Ausstellung ‹Sonar / Tomorrow's Sculpture› setzte sich Bock mit dem Ort auseinander und fertigte im Erweiterungsbau des Museums raumgreifende Installationen an. Eine Röhrenkonstruktion durchstösst Wände und zieht sich vom einen Raum zum nächsten, quadratische Kupferplatten wurden auf dem Boden platziert. Gleiches gilt für die zweiteilige Keramik ‹Himmel und Meer›, 2011, die in gegenüberliegenden Ecken der Schau positioniert wurde. Dabei lassen sich in vielen ihrer Arkunsthistorische Referenzen erkennen. So mag ‹Himmel und Meer› an die ‹Fettecke›, 1982, von Joseph Beuys erinnern, eine Skulptur aus fünf Kilogramm deutscher Markenbutter, oder die Verwendung von Bodenplatten an die Minimal Art von Carl Andre. Gekonnt verwendet Katinka Bock dieses Vokabular und formt es nach ihren eigenen Vorstellungen. Denn anders als Beuys, der unkonventionelle Materialien wie Bienenwachs, Filz oder eben Fett verwendete, nutzt die deutsche Bildhauerin eher traditionelle Materialien. So hebt sie auch die Strenge und die industrielle Erscheinung der Minimal Art auf, indem sie die Bodenplatten mit der weiblich konnotierten Keramik ergänzt und ihnen den poetischen Titel ‹Seelandschaft mit Nebel› gibt.
Katinka Bock wirft einen weiblichen Blick auf die vorwiegend männlich geprägte Kunstszene und erhebt mit ‹Tomorrow's Sculpture› den Anspruch, diese künftig mitzugestalten.

Bis 
02.04.2018

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