Mandla Reuter

Mandla Reuter · Fruit, 2018, Bronze bemalt, 21,5 cm, Ø 9 cm, Edition 1/5 + 2 AP

Mandla Reuter · Fruit, 2018, Bronze bemalt, 21,5 cm, Ø 9 cm, Edition 1/5 + 2 AP

Mandla Reuter · PAPAPANANAMAMA, 2018, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf.
Foto: Annik Wetter

Mandla Reuter · PAPAPANANAMAMA, 2018, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf.
Foto: Annik Wetter

Hinweis

Mandla Reuter

Der in milchigem Grau bemalte Bronzeabguss einer Kakaoschote im Schaufenster der vor drei Jahren von Wien nach Genf dislozierten Galerie Mezzanin lässt erahnen, dass es in der Ausstellung des Künstlers Mandla Reuters an diesem Ort auch um Verschiebungen durch Raum und Zeit geht. Die tropische Pflanze «Tillandsia usneoides», die im Eingang hängt und die dadurch charakterisiert wird, dass sie keine Wurzeln hat, bestätigt diese Intuition. Doch die in ihren Formen und Farben wunderbar zusammenspielenden, aber sehr disparaten ­Elemente im Hauptraum verwirren die Lage wieder. So kommunizieren dort eine riesige orange Kabelrolle und einige Marmorkieselsteine mit einem oben und unten aufgerissenen dicken schwarzen Kabelsatz voller unterschiedlichster Metallstränge in der gegenüberliegenden Ecke, während an den Wänden vielfach überdruckte Blaupausenpläne hängen, die Reuter mit einem Spray in irisierendem Weiss, Türkisblau oder Orangerot vertikal durchtrennt hat. Mit Hilfe des Pressecommuniqués lassen sich diese Setzungen nach und nach mit einem grossangelegten Forschungsprojekt in Zusammenhang bringen, bei welchem der Künstler das Zerschneiden von Kontinenten durch Kanäle zur Zeit des Kolonialismus mit den heutigen weltweit gespannten Informationskabelnetzen vergleicht. So findet sich ungefähr in der Mitte der mit ‹Papananamama› betitelten und rein stichwortartig gehaltenen A4-Seite die Passage «...Panama-identical books-shelf-Papananamama-papers-time-studio-journeys-Clouds, 2018-optical fiber cable-data-XCPLA 8453-Thasos Marble Beach-souvenir-research trip...». Es beginnt einem zu schwanen, dass die heutige scheinbar schwerelose, ubiquitäre und simultane Verbindung rund um die Welt nicht anders als die Meisterung der Distanzen mit Schiffen vor rund hundert Jahren auch ihre Schattenseite hat und unendlich viel Energie verbraucht, dass unendlich viele und lange Kabelpakete zwischen den verschiedenen Rechenzentren verlegt und betrieben werden müssen. Ästhetisches Erleben und Momente des Nichtwissens, warum dieses Was und Wie, verhelfen so zu einer stärker realitätsnahen Ortsbestimmung im Hier und Heute.
Auch die an ein älteres Unternehmen von Reuter anknüpfende Edition im Backoffice der Galerie macht die nur durch einen bewussten Kraftakt zu bewältigende Einordnung der konstanten Information greifbar. Friesartig hängt dort nämlich die 15-teilige Fotoserie ‹a3d 0n3Plo Wl›, die der Künstler von einem mit einem Ausstellungshonorar in Los Angeles gekauften Landstück aufgenommen und dann vertauscht und umgedreht hat.

Bis 
17.03.2018

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