Stefan Sagmeister

Stefan Sagmeister · Happiness Infographics Wall, 2012

Stefan Sagmeister · Happiness Infographics Wall, 2012

Stefan Sagmeister · Actually Doing the Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of Satisfaction, Installation, 2012 © Kevin O'Callaghan

Stefan Sagmeister · Actually Doing the Things I Set Out to Do Increases My Overall Level of Satisfaction, Installation, 2012 © Kevin O'Callaghan

Hinweis

Stefan Sagmeister

Als ich das Schaudepot im Toni-Areal betrat, war ich nicht sicher, was ich mir unter einer Ausstellung mit dem Titel ‹The Happy Show› vorstellen sollte. Bilder glücklicher Menschen oder feierlicher Ereignisse wie etwa der Mondlandung? Bunte Luftballons? Doch bevor ich weiter überlegen konnte, sah ich an der knallgelben Eingangswand eine Schrift, die in grossen Buchstaben verkündete: «Diese Ausstellung wird Sie nicht glücklicher machen.» Nach ein paar Begründungen, weshalb Probleme mit unzuverlässigen Kollegen und undankbaren Kindern nicht gelöst werden würden, fügt Stefan Sagmeister (*1962, Bregenz) in seiner krakeligen Handschrift hinzu: «Ich erwähne das hier, um Ihre Erwartungen zu dämpfen, denn - wie Sie später noch erfahren werden - niedrige Erwartungen sind eine ausgezeichnete Strategie.» Auf derselben Wand ermutigt mich ein grosser Pfeil, einen Knopf zu drücken und eine Karte aus dem darunterliegenden Spalt zu nehmen. Ich drücke die einladend rote Taste und nehme neugierig eine Karte entgegen. Darauf steht «Schicken Sie einen Witz an diese Nummer: +1 347-562-3711». Ich deponiere die sonderbare Aufforderung vorerst mal in meiner Jackentasche und gehe weiter. In den nächsten Räumen erwarten mich verschiedene Graphen, die das Glücklichsein erläutern: Was ist für unser Glück verantwortlich? Welche Aktivitäten machen uns am glücklichsten? Doch die Ausstellung besteht nicht nur aus anonymen Umfragen und Statistiken, sondern auch aus persönlichen Zitaten in Form von Bildern und Videos, in denen Sagmeister die Ursachen von Glück und Unglück zur Sprache bringt: «Complaining is silly, either act or forget», «Trying to look good limits my life» oder «If I don't ask I won't get». Schliesslich gehe ich weiter und gelange zu einem Fahrrad auf einem Podest. Auf dem Lenker steht «Langsam und gleichmässig treten». Zunächst schaue ich mich um und weiss nicht so recht, ob ich mich darauf zur Schau stellen möchte. Nach kurzem Überlegen beschliesse ich jedoch, mir an den vorherigen Zitaten ein Beispiel zu nehmen und auf das Rad zu steigen. Während ich die Pedale trete, beginnt vor mir die Neonschrift «Actually doing things» langsam aufzuleuchten. Zufrieden, nicht mit dem nagenden Gefühl einer unausgeführten Handlung konfrontiert zu werden, verlasse ich die Ausstellung. Mal schauen, ob ich den Witz dann ebenfalls noch einschicke.

Bis 
11.03.2018

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