Daniel Dewar & Grégory Gicquel — Obsession der Langsamkeit

Daniel Dewar & Grégory Gicquel · Oak Relief with Man, Pig, and Shell, 2018, aus: Mammalian Fantasies, Kunsthalle Basel. Foto: Philipp Hänger

Daniel Dewar & Grégory Gicquel · Oak Relief with Man, Pig, and Shell, 2018, aus: Mammalian Fantasies, Kunsthalle Basel. Foto: Philipp Hänger

Daniel Dewar & Grégory Gicquel · Oak Dresser with Harnessed Oxen, 2017 (links); Oak Bench with ­Narcissus and Snails, 2017, aus: Mammalian Fantasies, Kunsthalle Basel. Foto: Philipp Hänger

Daniel Dewar & Grégory Gicquel · Oak Dresser with Harnessed Oxen, 2017 (links); Oak Bench with ­Narcissus and Snails, 2017, aus: Mammalian Fantasies, Kunsthalle Basel. Foto: Philipp Hänger

Besprechung

Kein Material scheint Daniel Dewar & Grégory Gicquel aufzuhalten. Grossformatig, raumgreifend und handgemacht hat das Künstlerduo schon Werke aus Stein, Keramik oder Textilien vorgestellt. Die Signatur des Surrealen schreibt sich inzwischen in Eichenholz ein.

Daniel Dewar & Grégory Gicquel — Obsession der Langsamkeit

Basel — Wenn das britisch-französische Künstlerduo aus dem Stamm einer Eiche einen liegenden Mann freilegt, kann man an Holbeins ‹Christus im Grabe› denken. Oder auch nicht. Denn so tot wie jener Leichnam des Gottessohns sieht der Körper im Kasten nicht aus. Die Maserung von Holz umschmeichelt ihn mit Spuren organischen Wachstums, und die Sau, der Fisch oder die über ihm aufgereihten Euter nähren ihn (und uns) mit der bizarren Drastik wie mit der hartnäckigen Verschwiegenheit erotischer Fantasien. Im Oberlichtsaal der Basler Kunsthalle haben Daniel Dewar & Grégory Gicquel ihre Holzobjekte und -reliefs mit dunklen Vorhängen voneinander getrennt. Befremdliche Erinnerung nistet sich ein in den weichen Kabinetten. Vor den mächtigen Stierköpfen eines Kastens wähnt man sich im Ägypten der Pharaonen. Drei Holzbänke mit bunt bemusterten Polstern nähern sich dem stilistischen Übermut von Intérieurs aus der Arts & Crafts-Bewegung. Und im isolierten, überdimensionierten Relief eines männlichen Arms schlummert vielleicht ein kleines Votivbildchen aus Mexiko. Dabei zitieren die Titel ihren Gegenstand so schnörkellos wie ein Kinderbuch die Illustra­tion von Tieren auf dem Bauernhof: ‹Oak Relief with Man, Catfish, and Shell› zum Beispiel, oder ‹Oak Bench with Narcissus and Snails›. Da ist kein Geheimnis zu lüften. Das Versponnene haust mehr im eigenen Kopf als in den Dingen, deren Beschaffenheit uns zur Berührung einlädt. Als «humble makers» verstehen sich Dewar und Gicquel. Die Obession der Langsamkeit führt das Duo inzwischen auf internationalem Parkett von einer Ausstellung zur nächsten: Der Wert von Kunst setzt Mobilität voraus – auch da, wo sie haptisch und konkret das Gewicht der Tradition mitführt. Nachdem sie sich schon die Steinbildhauerei, das Plastizieren mit Ton oder das Stricken überdimensionierter Textilien beigebracht haben, rührt auch Holz an den Erfindergeist. Erneut tragen sie im Material das Vermächtnis des Handwerks in Dimensionen vor, die jeder Reproduzierbarkeit Widerstand leisten. Ernsthaft ist der Anspruch dieser Kunst. Sorgfalt, Aufwand und Grösse ehren die Schnitzerei und nehmen den bizzarrsten Einfall in Schutz vor dem Vorwurf des Banalen. So steht man im White Cube und wähnt sich auch ganz kurz in einem Zeitalter, das dem Körper mit Befremden begegnet. 

Bis 
14.04.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Daniel Dewar & Grégory Gicquel 18.01.201914.04.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Daniel Dewar
Grégory Gicquel
Autor/innen
Isabel Zürcher

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