Die Brücke

Emil Nolde · Holzfigur, 1912, Brücke-Museum Berlin, Dauerleihgabe. Foto: Roman März

Emil Nolde · Holzfigur, 1912, Brücke-Museum Berlin, Dauerleihgabe. Foto: Roman März

Ernst Ludwig Kirchner · ArtistinMarcella, 1910, Brücke-Museum, Berlin. Foto: Roman März

Ernst Ludwig Kirchner · Artistin
Marcella, 1910, Brücke-Museum, Berlin. 
Foto: Roman März

Hinweis

Die Brücke

Baden-Baden — Im Prinzip ist, von der Schweiz aus gesehen, das Brücke-Museum in Berlin ziemlich fern – momentan jedoch rückt es, dank einer Ausstellung in Baden-Baden, recht nahe. Denn das Berliner Museum steuert den Löwenanteil der Leihgaben zur aktuellen Ausstellung ‹Die Brücke› im Museum Frieder Burda bei. Lange musste man auf die Schau warten, die nun die sich ab 1905 in Dresden und später in Berlin ereignende Kunstrevolution in den Fokus rückt. Und dies, obwohl der Sammler Frieder Burda den sächsischen Expressionismus gleichsam mit der Muttermilch eingesogen hat und seine Kunstkollektion sich ausgesuchter Spitzenwerke von Kirchner und anderen rühmen darf. Die grosse Ausstellung zum ‹Blauen Reiter› fand bereits 2009 statt. Jetzt bilden die gut fünfzig Gemälde neben siebzig Grafiken den verschwenderischsten Brücke-Querschnitt seit der Jubiläumsschau 2005. Der Bruch mit der Tradition formuliert sich im Programm der jungen Revolutionäre als Aufstand gegen den Akademismus. «Arm- und Lebensfreiheit» wollen sie sich verschaffen. Es ist die ewige Rebellion der Jugend gegen das Etablierte, die ihre Werke so unwiderstehlich macht. In der Suche nach Ursprünglichkeit und Natur, der Einheit von Kunst und Leben stossen Kirchner und Heckel, Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in ungeahnte Farb- und Formwelten vor. Sie verehren die Heroen der Moderne, van Gogh oder Munch. Ihre «Viertelstundenzeichnungen», pulsierende Notate des Wirklichen, atmen Spontaneität und Unmittelbarkeit. Die Künstler porträtieren sich wechselseitig. Und sie leben und arbeiten mit ihren Geliebten, die gleichzeitig ihre Modelle sind, in der Natur bei Dangast oder Moritzburg. Der Akt in der Landschaft wird zum Echtheitssiegel der gefundenen paradiesischen Ursprünglichkeit. Berlin bringt den Wandel. Erst hier prägen sich die Individualstile aus – Keim der Auflösung der Gemeinschaft 1913. Hatten die Künstler die afrikanische Plastik vordem als Beleg ursprünglich-naturnahen Menschseins rezipiert, so wird ihnen jetzt die Grossstadt selbst mit ihren Cafés, Varietés und Vergnügungslokalen zu einer Art zweiten Natur. Und die Grossstadtgesellschaft selbst zu einer neuartigen Stammeskultur: Objekt einer quasi ethnologischen Feldforschung wie in Pechsteins Gemälde die Dame mit der ‹Gelben Maske›. 

Bis 
24.03.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Museum Frieder Burda Deutschland Baden-Baden
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Die Brücke 1905-1914 17.11.201824.03.2019 Ausstellung Baden-Baden
Deutschland
DE

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