Ed Atkins — Hello, who are you?

Ed Atkins · Old Food, 2017, Kunsthaus Bregenz, Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, NY / Rom, und dépendance, Brüssel. Foto: Markus Tretter

Ed Atkins · Old Food, 2017, Kunsthaus Bregenz, Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, NY / Rom, und dépendance, Brüssel. Foto: Markus Tretter

Ed Atkins · Good Wine, 2017, Videostill, 16’’, Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rom, und dépendance, Brüssel

Ed Atkins · Good Wine, 2017, Videostill, 16’’, Courtesy Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rom, und dépendance, Brüssel

Besprechung

Wie für jede Ausstellung der letzten Jahre erweitert Ed Atkins auch im Kunsthaus Bregenz seine letzte Werkgruppe ‹Old Food› um eine weitere Videoarbeit, ‹Untitled›, und setzt damit seine breit angelegte, zutiefst zeitgenössische Auseinandersetzung mit dem Figurativen fort.

Ed Atkins — Hello, who are you?

Bregenz — Die medialen Terminologien und Techniken des digitalen HD-Bildes werden hier, wie schon in früheren Arbeiten von Ed Atkins (*1982), durchexerziert, fast exzessiv angewandt und so mitunter kritisch befragt. Im Parterre erwartet uns eine Eisen-Installation mit der daran aufgehängten Videoarbeit ‹Safe Conduct›, 2016. Zu sehen ist ein Mann in einer morbiden Sicherheitskontrolle eines Flughafens, der mit seinem abgewrackten Gesicht Charme-Gesten und Ähnliches ausprobiert. Dies ist berührend und führt uns über radikal zweischneidige Gefühle in die Ausstellung ein. Einen Stock weiter oben stossen wir auf die Werkgruppe ‹Old Food› von 2017/2018. Schon auf den ersten Blick korrespondiert die farbige Struktur von frei im Raum platzierten Kostümgestellen mit den Farbtönen der Videoarbeiten und antizipiert so ­einen Zusammenhang zwischen den beiden Elementen. ‹Good Man›, 2017, vermag innerhalb dieser Werkgruppe am meisten zu überzeugen. «Total übertrieben», mögen wir uns denken, wenn wir die hyperrealen Tränen des Mannes betrachten. Doch nachdem überraschenderweise ein Facebook-Signet das Bild überblendet und der Mann bald den Bildausschnitt verlässt, möchte man ihn zurückhaben – und wartet: Mit dem Verschwinden sehnen wir uns die Figur zurück. Dass man damit plötzlich das Gefühl hat, durch ein Fenster in eine «echte» Welt zu blicken, gehört möglicherweise ebenso zu Atkins’ Intention wie die Thematisierung von Mangel oder Verlust. Auch weitere Arbeiten wirken ähnlich überladen mit Hysterie und Pseudohistorik, während ihre Figuren gleichzeitig in den immer gleichen Wiederholungen verfangen sind. Erwartungen, Annahmen werden entweder schon von vornherein enttäuscht oder erst mit erstaunlicher Potenz modelliert – auch mittels computergenerierter Bilder –, um sie kurz darauf, oft mit ebenjenen Mitteln, zu hinterfragen. Weiter oben im KUB folgen zwei abgedunkelte Etagen, in denen ältere Arbeiten ausgestellt sind. Auch dort agieren – oder vielleicht sollte man eher sagen: verharren – zwei real anmutende Figuren, die vom Erdboden und einer dunklen Masse verschluckt werden. Genau so, wie die Zuschauerin einen Schritt zurück macht, sind all diese Figuren Gefangene ihrer eigenen virtuellen Welt. Der Ausstellungstitel bekundet offensichtlich ein Interesse an Ed Atkins selbst. Auf «Wer bist du?», wie ihn der Direktor des KUB fragte, kann Atkins womöglich mit diesen Figuren antworten, oder mit seiner kryptischen Aussage: «Wherever I go, there I fucking will are am.»

Bis 
31.03.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Bregenz Österreich Bregenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Ed Atkins 19.01.201931.03.2019 Ausstellung Bregenz
Österreich
AT
Künstler/innen
Ed Atkins
Autor/innen
Meret Sarasin

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