Emil Nolde — Dunkelkünstler aus der Tiefe

Emil Nolde · Cafégäste, 1991, Öl auf Leinwand, 37,5 x 25 cm, Nolde Stiftung Seebüll. Foto: Elke Walford und Dirk Dunkelberg

Emil Nolde · Cafégäste, 1991, Öl auf Leinwand, 37,5 x 25 cm, Nolde Stiftung Seebüll. Foto: Elke Walford und Dirk Dunkelberg

Besprechung

Ganz viel Eigenart. Maskenzauber. Scheinbar rasch Hingeworfenes. Imagination, die für fast alles offen ist. Und mit sehr wenig ist sehr viel da. Mit einem Wort: ausdrucksstark. So zeigt sich der sich von europäischer Kunsttradition befreiende Emil Nolde im Zentrum Paul Klee.

Emil Nolde — Dunkelkünstler aus der Tiefe

Bern — Man steht und staunt und müsste eigentlich gepackt sein. Dass es dann doch nicht allzu oft geschieht, liegt an der kühl-kargen Ausstellungsarchitektur, die kaum ein Raumerlebnis zulässt. Die Begegnung mit dem einzelnen Werk müssen wir uns ein wenig erkämpfen. Doch keine Frage: Emil Nolde (1867–1956) leuchtet. Von ­einigen Grotesken und exotischen  Motiven abgesehen bestechen die gut 160 Werke – neben vierzig Ölgemälden zumeist Arbeiten auf Papier – durch farbliche Kühnheit, durch innere Glut und ein Aus-der-Tiefe-Leuchten, durch heftige Gesten und Beziehungen, in denen sich Vereinendes und Trennendes zeigt, oft beides zusammen in einem Bild. Konfrontationen, ja Aggressivität, sinnlich und körperhaft, in welche die Betrachtenden einbezogen werden. Keine Frage auch dies: Nolde ist, im wörtlichen wie übertragenen Sinn, ein Dunkelkünstler der besonderen Art. Dem trägt die von Fabienne Eggelhöfer kuratierte Ausstellung Rechnung. Sie betont das Dämonische in Noldes Schaffen und entzieht es so der vorschnellen Vereinnahmung. Das allererste Bild, noch bevor es mit dem ersten von zwölf Kapiteln losgeht, unterstreicht das: Das stechend blaue Fragen in Noldes Augen, wie der Fünfzigjährige es im ‹Selbstbildnis› 1917 festgehalten hat, das kritische Sichreiben am Eigenen als Voraussetzung für die Entstehung von Kunst – «Ich fühle mich nur wie eine Schale, darinnen ein Maler wohnt». So fokussiert denn die Schau auf das Groteske, Fantastische und Exotische, wie es, wenn auch anders, für Klees Schaffen prägend ist, der wie Nolde nach «absoluter Ursprünglichkeit» (Eggelhöfer) strebte. Das Nordisch-Deutsche, überhaupt Noldes Landschaften, seine Blumen- und Meerbilder stehen nicht zur Debatte. Vielmehr werden wir mit den verschiedenen Richtungen konfrontiert, die er einschlug, um zu einer von akademischen Vorgaben losgelösten eigenen Bildsprache zu finden. All den bewegten Figurationen scheinen sinnliche Erlebnisse vorangegangen zu sein, die beim Betrachten zu neuem Leben erweckt werden, ob es sich nun um den indianisch-ägyptischen ‹Kuss›, die wild wogenden Beziehungen im Berliner Nachtleben oder das lüstern umlagerte ‹Tolle Weib› handelt oder eine der vielen Phantasmagorien, die aus der Begegnung mit dem Anderen – Traum, Spuk, ferne Welten, Mythen – rühren. Nimmt man alles genau, ist das Thema der Ausstellung fast zu gross für einen einmaligen Besuch, von der im Schlusskapitel aufgeschlagenen Künstlerfreundschaft Nolde–Klee ganz zu schweigen. Zum Glück gibt es den Katalog, der sich mit dieser Freundschaft eingehend befasst. 

Bis 
03.03.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Emil Nolde 17.11.201803.03.2019 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Emil Nolde

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