Florian Graf — Spiel der Formen

Florian Graf · Bio Diversity (Metall), 2018, Aluminium, Spiegel und Farbe, 368 x 120 x 115 cm, Ausstellungsansicht Salle Poma, Kunsthaus Pasquart. Foto: Anita Vozza 

Florian Graf · Bio Diversity (Metall), 2018, Aluminium, Spiegel und Farbe, 368 x 120 x 115 cm, Ausstellungsansicht Salle Poma, Kunsthaus Pasquart. Foto: Anita Vozza 

Besprechung

Florian Graf bewegt sich mit seinem vielgestaltigen Werk an der Schwelle von Kunst und Architektur. Das Kunsthaus Pasquart zeigt die erste umfassende Einzelausstellung Grafs. Im Zen­trum steht die Werkgruppe ‹Bio Diversity›, die das Verhältnis von Mensch und Natur reflektiert.

Florian Graf — Spiel der Formen

Biel — Die Ausstellung von Florian Graf (*1980) verschafft dem Kunsthaus Pasquart eine neue Sichtbarkeit. Drei mehr als drei Meter hohe Beton-Skulpturen aus der Werkgruppe ‹Bio Diversity›, 2018, stehen auf dem Rasenstück vor dem Kunsthaus. Ihre Formensprache ist schlicht und klar und hat dennoch eine leicht spielerische Note. Die Skulpturen bestehen jeweils aus drei Bausteinen – einem Kreis, einer L-Form und einem gezackten Element – die der Künstler in unterschiedlicher Reihenfolge zusammensetzt. Diese drei Bausteine sind in der Schau immer wieder anzutreffen, in unterschiedlichen Massen und Materialien, mal aus Holz, mal in Keramik, mal in einer Serie von Zeichnungen. Graf dekliniert mit diesen Bausteinen verschiedene künstlerische Techniken und Darstellungsformen durch; spürbar wird auch der architektonische Hintergrund des Künstlers. Zugleich verhandelt er mithilfe seines reduzierten Baukastens Fragen nach Natur und Mensch, Raum und Kunst. Je nachdem, wie die Bausteine zusammengesetzt sind, symbolisieren sie Menschen, Vögel, Pflanzen, die hier, ganz buchstäblich, alle aus dem gleichen Stoff gemacht sind. Der Variantenreichtum, mit dem Graf die Bausteine zusammenfügt, ist – aus naheliegenden Gründen – in einer Serie aus Tuschzeichnungen und Aquarellen besonders gross. Hier lässt er seiner überbordenden Fantasie freien Lauf und verwandelt Kreise und L-Formen in Liebespaare, Brückenbögen und Monstren. Überhaupt spielen Zeichnungen und Fotografien eine grosse Rolle, sowohl als eigenständige Werke wie auch in Form der Zeichnungsbücher (1988–2018), die zwischen Skizzenbüchern, Ideensammlungen und autonomen Werken anzusiedeln sind. Anhand der Zeichnungsbücher lassen sich das Denken, die künstlerischen Interessen und Vorgehensweisen des Künstlers nachvollziehen. Geradezu klassische Aktstudien gibt es da ebenso wie architektonische Fantasien oder gezeichnete Hommagen an verschiedene Kulturschaffende, wie zum Beispiel den französischen Autor Georges Perec. Im Kunsthaus Pasquart liegen die Bücher in den langen Vitrinen im oberen Flur aus und bilden so eine intelligente Klammer zwischen den kleineren Räumen im Altbau und der Salle Poma, aber auch zwischen den verschiedenen Arbeiten Florian Grafs. Parallel zur Soloschau von Florian Graf zeigt das Kunsthaus Pasquart zwei kleine Malerei-Ausstellungen der Schweizerin Zara Idelson (*1987) und der Finnin Maija Luutonen (*1978), die sich in ihren Arbeiten mit Zeichen, Symbolen und visuellen Fragen beschäftigen. 

Bis 
31.03.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Florian Graf 27.01.201931.03.2019 Ausstellung Biel/Bienne
Schweiz
CH
Künstler/innen
Florian Graf
Autor/innen
Alice Henkes

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