Hans Anliker und Renata Bünter — Leichtigkeit des Seins

Hans Anliker · ohne Titel, Aquarell, 2005. Foto: Katrin Anliker

Hans Anliker · ohne Titel, Aquarell, 2005. Foto: Katrin Anliker

Renata Bünter · Ein anderes Mal, blaue Plastikfolie, 2011. Foto: David Aebi

Renata Bünter · Ein anderes Mal, blaue Plastikfolie, 2011. Foto: David Aebi

Besprechung

Zwei Œuvres treffen im Zimmermannhaus aufeinander. Die Hommage an den vor etwas mehr als einem Jahr verstorbenen Künstler Hans Anliker wird mit Objekten der Nidwaldner Bildhauerin Renata Bünter ergänzt. Und ganz im Sinne des Aarauers vermittelt die Schau eine wunderbare Leichtigkeit des Seins.

Hans Anliker und Renata Bünter — Leichtigkeit des Seins

Brugg — Kleinformatige Aquarelle hängen dicht gereiht an der Stirnwand im Zimmermannhaus. Schwungvolle Pinselschlieren, abstrakte Setzungen, hauchdünn aufgetragene Flächen erscheinen wie flüchtige Erlebnisse im Alltag. Die Blätter von Hans Anliker (1938–2017) hat Kuratorin Andrea Gsell mit Anlikers Ehefrau Annemie und Tochter Katrin im Atelier zusammengesucht. «Trouvaillen, die grösstenteils noch nie gezeigt wurden», freut sich die Leiterin des Hauses. ‹Morgenbild, 15. Mai 2006› steht da etwa. Zu sehen ist ein blasses Raster in verwässerten Grautönen. Geometrisch geordnete Gedanken? Ein flüchtiges Stimmungsbild? Feiner Humor dringt durch, wo der einst bei Metron Brugg und an der Schweizerischen Technikerschule Aarau tätige Architekt ein sitzendes Paar wie zwei aufgetürmte Pyramiden abbildet. «Humor hatte er, und gesellig war er auch», erzählt seine Frau. Etwa, wenn er im Aargauer Kunsthaus für zahlreiche Gäste ein schwarz-weiss gestaltetes Essgelage zubereitete – lange bevor die performative Gastronomie als neue Kunstform zelebriert wurde. Mit dem eigenen Atelier wuchsen auch die Formate: Expressiv und wild gebärden sich die auf Flugzeugsperrholz mit Pigment und Kasein entstandenen Farbkompositionen. Renata Bünter (*1962) hätte nicht besser auf diese Wucht reagieren können. Dynamisch schlägt die in Bern lebende Innerschweizerin eine blaue Transparentfolie über einen Dachbalken. Was wie eine mächtige Eisspitze oder ein artifizieller Zuckerstock wirkt, raschelt bei feinstem Durchzug in die Stille des Raums hinein. «Das Material ist ein bisschen mein privates Meer», sagt Bünter. Leichtigkeit, Transparenz und Ephemeres manifestiert sich auch in einem Videoloop, wo sich die Bilder wie auf doppelt belichteten Negativen überlagern. «Ein reflektierendes Autodach warf Licht und Schatten auf meine Bürowand. Ich habe das Ganze aufgenommen und bin selbst ins Bild gerückt», erklärt sie. Klingt etwas kompliziert und ist doch überaus poetisch. Auch wo scheinbar massive Rohre von der Decke hängen, reicht ein Windstoss, um die aus Packpapier bestehenden Rollen in ein Baumeln zu versetzen. Sie antworten auf die in unmittelbarer Nachbarschaft platzierten, mit flüssigem Asphalt gemalten Raster Anlikers, die an urbane Eisenkonstruktionen erinnern. Bünters Objekte aus Baumarktmaterial setzen kongeniale und witzige Akzente in die bebilderten Räume. Hans Anliker hätte allen Grund, ein Festmahl auszurichten.

Bis 
10.03.2019

→ ‹Hans Anliker, Renata Bünter›, Zimmermannhaus Brugg, bis 10.3.; Gespräch mit E. Häusermann und M. Müller zu Hans Anlikers Kunst im öffentlichen Raum, 24.2., 11 Uhr ↗ www.zimmermannhaus.ch

Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
Hans Anliker, Renata Bünter 19.01.201910.03.2019 Ausstellung Brugg
Schweiz
CH
Künstler/innen
Hans Anliker
Renata Bünter
Autor/innen
Feli Schindler

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