Isa Barbier

Isa Barbier · Sans titre, 2019, Installation mit Möwen- und Gänsefedern, variable Dimension

Isa Barbier · Sans titre, 2019, Installation mit Möwen- und Gänsefedern, variable Dimension

Isa Barbier · Carré noir, 1998, Piniennadeln aus Aleppo, Harz und Acryl

Isa Barbier · Carré noir, 1998, Piniennadeln aus Aleppo, Harz und Acryl

Hinweis

Isa Barbier

Lugano — Die minimalistischen Installationen von Isa Barbier zeugen von einem scharf denkenden, klaren Geist und einer meditativ geduldigen, ruhigen Hand. Die Arbeiten der französischen Künstlerin bewegen sich in ihrer Radikalität des «presque rien» zwischen Sein und Nichtsein, zwischen Materialität und Immaterialität, zwischen leibhaftiger Präsenz und reiner Vorstellungskraft. Wie ein Vogelschwarm schweben Hunderte von Möwenfedern im Raum. Die perfekte geometrische Form, welche sich durch die präzise Positionierung der Federn ergibt, vervollständigt sich allerdings erst, wenn wir beim Betrachten die Linie zwischen den Punkten unbewusst schliessen. Die weis­sen Federn wirken wie Pinselstriche, und sie malen pointillistisch locker ihre abstrakte Form in den Raum, der durch sie erst neu definiert wird. Wie Giotto zeichnet Isa Barbier in der aktuellen Ausstellung freihändig einen perfekten Kreis. Ihre Installationen leben von der Spannung zwischen der Strenge euklidischer Geometrie und der Weichheit des organischen Lebens, zwischen der Vorhersehbarkeit der rationalen Form und der Unregelmässigkeit der Naturform. Die Fähigkeit, organisch differenzierte Fundstücke geometrisch präzis im Raum wirken zu lassen und damit eine fast mystische, meditative Stimmung zu schaffen, verbindet die Marseillerin mit Künstlern wie Richard Long, Helen Mirra oder Wolfgang Laib. Das Spannungsprinzip funktioniert neben den ephemeren und fragilen In-situ-Arbeiten genauso wie bei den kleinen Wandstücken aus Piniennadeln. Im ‹Carré noir› bilden kreuz und quer übereinanderliegende, mit schwarzer ­Acrylfarbe bemalte und mit Harz fixierte Piniennadeln ein schwarzes Quadrat, das sich objekthaft leicht von der Mauer absetzt. Die reduziert geometrische Stringenz des hier evozierten suprematistischen Zitats – das schwarze Quadrat von Malewitsch – wird durch die chaotische Schraffur der unregelmässigen Nadeln und deren Unterschiedlichkeit infrage gestellt. Barbier setzt der Autorität der Geometrie die Vergänglichkeit der Natur entgegen und haucht so der Starre des radikalen Minimalismus das Leben der biologischen Differenz ein.

Bis 
27.04.2019

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