Margrit Linck — Vogelfrauen und Vasenkörper

Margrit Linck · Skulpturen aus dem Spätwerk, 1981–1983, Terrakotta

Margrit Linck · Skulpturen aus dem Spätwerk, 1981–1983, Terrakotta

Besprechung

Mit ihrer eigenständigen Gebrauchskeramik hat sich Margrit Linck fest in die Schweizer Designgeschichte eingeschrieben. Dass sie neben Vasen, Schalen und Lampen auch Skulpturen schuf, ist etwas in den Hintergrund geraten. Drei Ausstellungen präsentieren jetzt die Künstlerin Margrit Linck.

Margrit Linck — Vogelfrauen und Vasenkörper

Basel/Olten/Zürich — Ihr Einfallsreichtum kannte keine Grenzen. Von Konventionen liess Margrit Linck (1897–1983) sich schon gar nicht stören. Zu ihren überraschenden Schöpfungen gehört ein 1945 geschaffener Krug in Form eines Frauenkörpers, bei dem die Flüssigkeit durch die Brüste ausgegossen wird. In Zeiten von #MeToo wirkt so viel lustvolle Leichtigkeit irritierend. Doch im künstlerischen Werk von Mar­grit Linck verbinden sich Körper und Krüge, Frauen und Vögel immer wieder auf spielerisch-beschwingte Weise. Während ihre Gebrauchskeramik von den klaren Linien der Moderne lebt, wirkt in ihren Kunstobjekten ein surrealer Geist. Begonnen hat Margrit Linck mit einer Töpferlehre in Heimberg und dem Besuch der Kunstschulen in Bern, München und Berlin. Mit ihrem Mann, dem Bildhauer Walter Linck, lebt sie von 1926 bis 1930 in Paris, kehrt auch später immer wieder dorthin zurück. Alberto Giacometti und Germaine Richier gehören zum Freundeskreis. Zurück in Bern arbeitet Margrit Linck stets zweigleisig, als Töpferin und als Künstlerin. Ihre Gebrauchskeramik verkauft sich gut. Sie kann damit die Familie ernähren. Die Kunst wächst gewissermassen aus den Gebrauchsobjekten heraus und über sie hinaus. Margrit Linck entwickelt ihre Skulpturen aus Gefässen. Einem Krug wächst plötzlich ein Vogelschnabel, eine Vase wird weiblich. So entstehen Mischwesen und -objekte wie die ‹Bête Noire›, um 1950, ein rätselhaftes Vasen-Wesen mit dysfunk­tionalem Kannengriff und Bauchnabel, oder die ‹Spiralenfrau›, 1951, eine Art schlanke, weisse Flasche, an deren Ausguss ein kaltes Auge sitzt. Oft haben diese Figuren etwas Geheimnisvolles, manchmal auch Beunruhigendes. Dieses Unheimliche, das in den Skulpturen stets latent vorhanden ist, wird in den letzten Schaffensjahren dominant. Nach dem Tod von Mann und Sohn 1975 formt Margrit Linck gefährlich anmutende Vogelfrauen, die aus dunklen Träumen aufzutauchen scheinen. Gleichzeitig entstehen Werke, die noch einmal auf ihre Wurzeln in der angewandten Kunst Bezug nehmen: schlichte Krüge und Flaschen, die sie zusammenstaucht, sodass sie als Gebrauchsobjekte unbrauchbar werden und nur durch ihre bizarre Form wirken. Umgekehrt schafft sie ein gewaltiges Arsenal von Vasen, die wie geometrisch erstarrte Figuren wirken. Drei Ausstellungen erinnern nun an Margrit Linck und stellen sie in Dialog zu aktuellen Künstler/innen. 

→ ‹Margrit Linck – Skulpturen›, Galerie annex14, Zürich, bis 30.3. ↗ www.annex14.com
→ ‹Margrit Linck reloaded›, Kunstmuseum Olten, 9.3.–12.5. ↗ www.kunstmuseumolten.ch
→ ‹Margrit Linck, Hedi Mertens›, Galerie Dominik Müller, Basel, 9.3. bis 27.4. ↗ www.galeriemueller.com

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
annex14 Schweiz Zürich
Galerie Dominik Mueller Schweiz Basel
Kunstmuseum Olten Schweiz Olten
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Margrit Linck, Hedi Mertens 09.03.201927.04.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Margrit Linck 16.02.201930.03.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Margrit Linck

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