Menschen und Landschaften

Oskar Kokoschka · Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19, Öl auf Leinwand, 83,6 x 62,7 cm © ProLitteris

Oskar Kokoschka · Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt, 1918/19, Öl auf Leinwand, 83,6 x 62,7 cm © ProLitteris

Oskar Kokoschka · Im Garten II, 1934, Öl auf Leinwand, 96,5 x 103,5 cm © ProLitteris

Oskar Kokoschka · Im Garten II, 1934, Öl auf Leinwand, 96,5 x 103,5 cm © ProLitteris

Hinweis

Menschen und Landschaften

Zürich — Vier Selbstbildnisse begrüssen das Publikum am Anfang der Ausstellung. Sie zeigen den Weg, den der in einem österreichischen Dorf 1886 geborene und 1980 in Montreux in der Schweiz gestorbene Oskar Kokoschka zurücklegte. Während seines 94-jährigen Lebens hat er diverse Stilentwicklungen gesehen und selbst mitgemacht, zudem zwei Weltkriege erlitten. An der Darstellung des Menschen hat ihn das nicht zweifeln lassen, sein Werk ist figurativ – von den gebrochenen, teils hieroglyphenartig verzerrten Körpern vor 1914 bis zu den Bildern aus den Siebzigern, die bisweilen an zeitgleiche DDR-Malerei erinnern. In ‹Selbstbildnis, eine Hand ans Gesicht gelegt›, 1818/19, hat sich OK mit fast aggressiven Pinselhieben dargestellt. Über die Schulter gewandt schaut er uns an und mit einer Hand – Hände sah er als Wesensmerkmal der Persönlichkeit – berührt er sachte sein Kinn. Der Künstler hatte eine leidenschaftliche Zeit hinter sich, nicht nur hinsichtlich der nach drei Jahren beendeten Amour fou zu Alma Mahler, sondern auch mit Blick auf das Wiener «Biotop der Avantgarde», in dem der «Oberwildling» zunehmend anerkannt, aber auch heftig kritisiert wurde. In ‹Selbstbildnis an der Staffelei›, 1922, hat er sich frontal und eigenartig verwachsen in seinem Dresdner Atelier mit Blick auf die Elblandschaft dargestellt, links einen Pinsel in der Hand, rechts zwickt er die Auftragspuppe, die er sich nach der Trennung von Alma Mahler hatte anfertigen lassen. Nackte und seltsam eindrückliche, ungeschlachte Frauen-Puppen, zwischen Pygmalion-Figuren und Musen, die für Eros, Liebe, friedliches Leben und Fruchtbarkeit, aber auch für eine Nation wie bspw. das besetzte Österreich stehen, tauchen zentral in seinen Bildern immer wieder auf. ‹Selbstbildnis mit gekreuzten Armen›, 1923, zeigt ihn nun mit Anzug und Schlips – wieder in Dresden, wo er eine Professur und gutes Auskommen hatte. Der Professor ist in beruhigte und patchworkartig ineinanderfliessende Farbfelder eingebunden. Auf ‹Selbstbildnis (Fiesole)›, 1948, ist er 62 und heroisch in die Ferne schauend wirkt er wie ein Ruderer, der seinen Nachen aufrecht steuert. Nach Jahren in Prag und London hatte man den sich stets für humanistische Ziele Eintretenden 1947 mit grossen Ausstellungen in Zürich und Basel geehrt. Die chronologisch gehängte Ausstellung integriert auch die grossartigen, kosmisch fiebrigen Landschaften, die in London entstandenen politischen Bilder und die an christlich-bukolische Motive anknüpfenden Werke. Kuratorin ist Cathérine Hug. Mit Katalog und Rahmenprogramm. 

Bis 
10.03.2019
Künstler/innen
Oskar Kokoschka
Autor/innen
Brita Polzer

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