Tiffany Chung — Thú Thiêm

Tiffany Chung · Thú Thiêm: Ein archäologisches Projekt zum künftigen Gedenken, 2010–13, Installation mit Grabungsfunden, gemalten Landkarten, Video und Text, Ausstellungsansicht Johann Jacobs ­Museum Zürich. Foto: Geneviève Frisson

Tiffany Chung · Thú Thiêm: Ein archäologisches Projekt zum künftigen Gedenken, 2010–13, Installation mit Grabungsfunden, gemalten Landkarten, Video und Text, Ausstellungsansicht Johann Jacobs ­Museum Zürich. Foto: Geneviève Frisson

Tiffany Chung · Thú Thiêm: Ein archäologisches Projekt zum künftigen Gedenken, 2010–13, Installation mit Grabungsfunden, gemalten Landkarten, Video und Text, Ausstellungsansicht Johann Jacobs ­Museum Zürich. Foto: Geneviève Frisson

Tiffany Chung · Thú Thiêm: Ein archäologisches Projekt zum künftigen Gedenken, 2010–13, Installation mit Grabungsfunden, gemalten Landkarten, Video und Text, Ausstellungsansicht Johann Jacobs ­Museum Zürich. Foto: Geneviève Frisson

Besprechung

Die Schau von Tiffany Chung vermeidet spektakuläre Gesten. Stattdessen stellt die amerikanisch-vietnamesische Künstlerin die Halbinsel Thú Thiêm als verwüstete, geisterhafte Gegend vor. Drumherum machen Karten und Texte sichtbar, wie der örtliche Kontext kontinuierlich neu gedeutet wurde.

Tiffany Chung — Thú Thiêm

Zürich —Tiffany Chung (*1969, Da Nang, Vietnam) weiss, wie man mit Ausdehnung Wirkung schafft. In ihren raumgreifenden Installationen hat sie diverse Male eine überzeugende Dramaturgie geschaffen. Hier aber zeigt sie uns Thú Thiêm – eine Halbinsel umrandet vom Saigon-Fluss mitten in Ho Chi Minh City – von ganz nah. In dem Drei-Kanal-Video ‹Ein archäologisches Projekt zum künftigen Gedenken›, 2013, schuften zwei Männer, um ein Stück gefliesten Bodens aus den Ruinen eines Gebäudes zu reis­sen. Das häusliche Relikt wird von saftigem Grün umwuchert. Während im Zentrum gearbeitet wird, sehen wir auf dem linken Bildschirm ein ruhiges Gewässer und auf der anderen Seite einen Stapel von Fenstern und Türen, die wohl von ähnlichen Häusern stammen. Die Künstlerin platziert das Fliesenstück nun im Zentrum des Raums, daneben liegen einzelne niedliche Sandalen in einer Vitrine. Zwei gebrauchte Fenster mit dekorativen Metallgittern hängen an der Wand bzw. von der Decke, und eine weitere Vitrine präsentiert Tonscherben. Diese kleinen Fundstücke erzählen nichts von den aktuellen ambitiösen Entwicklungsplänen der vietnamesischen Behörden für Thú Thiêm. Stattdessen beklagen sie die Auslöschung der ländlichen Gemeinschaft, die bis vor kurzem hier lebte. Bald mag Thú Thiêm so dicht bebaut sein wie die urbanen Stadtteile am anderen Flussufer, aber im unterirdischen Raum im Jacobs Museum scheint dieser Moment angesichts der verlorenen Sandalen noch weit entfernt. Tatsächlich lassen mehrere in der Ausstellung verteilte Textfragmente klar werden, dass Thú Thiêm und Vietnam generell immer wieder Projektionsflächen für unterschiedliche Machthaber gewesen sind. Wer herrschte, überschrieb das Leben in einer Gegend und der dort existierenden Gemeinschaft. Die Haltung des französischen Politikers und späteren Premierministers Albert Sarraut beispielsweise ist paternalistisch und herablassend. 1917 schreibt er: «La France […] grandira ses protégés en puissance matérielle et en dignité.» Das letzte Element sind die bemalten filigranen Karten von Chung, die sie von historischen und neueren Planvorhaben abgeleitet hat. Sie geben Viertel von Ho Chi Minh City wieder, die von brillanter Flora umrankt werden. Diese gemalten farbenfrohen Juwelen blühen rund um die Umrisse der Gebäude und verdecken sie fast. Die Natur ist unbezähmbar und ihr Wachstum so naturgegeben und konstant wie die menschliche Hybris. Vielleicht sollten die offiziellen Kartografen sich auch mal mit der Malerei befassen.

Bis 
05.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Tiffany Chung - Thủ Thiêm 13.11.201805.05.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Tiffany Chung
Autor/innen
Aoife Rosenmeyer

Werbung