abhängig?

Gianluca Trifilio · My Brother Heroin, aus: abhängig?, Ausstellungsansicht Vögele Kultur Zentrum. Foto: Katharina Wernli

Gianluca Trifilio · My Brother Heroin, aus: abhängig?, Ausstellungsansicht Vögele Kultur Zentrum. Foto: Katharina Wernli

Tonjaschja Adler · ABC der UnMöglichkeiten, 2019, Siebdruckplakate © ProLitteris

Tonjaschja Adler · ABC der UnMöglichkeiten, 2019, Siebdruckplakate © ProLitteris

Hinweis

abhängig?

Pfäffikon — Kann Abhängigkeit uns helfen? Das Stichwort «Abhängigkeit» ruft wohl eher Bilder hervor, die mit Problemen, Druck und Abgründen zusammenhängen. Abhängig zu sein, ist negativ belegt. Doch wie immer zeigt das Vögele Kulturzentrum, wie und warum man ein Phänomen aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann. Die aktuelle Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit ehemaligen und aktuell Studierenden der F+F-Schule für Kunst und Design in Zürich. Tatsächlich ist die Unabhängigkeit das Glücksversprechen unserer Zeit. Doch ist ­abhängig sein nicht völlig normal? Wenn man die Installation ‹My Brother Heroin› von Gianluca Trifilo sieht, schiebt man das eher von sich. Sie legt den beklemmenden Briefverkehr rund um einen Junkie offen. Doch das ist nur eine Form von Abhängigkeit. Insgesamt sieben Kapitel schlägt die Ausstellung auf und umkreist den Begriff darin mit künstlerischen Werken, Filmen, Displays und Mitmachstationen. Was man nur selten in letzter Konsequenz durchdenkt, ist, dass wir ganz grundsätzlich an bestimmte Voraussetzungen und Substanzen gebunden sind: Sauerstoff, Wasser, Nahrung, Schlaf – es gibt zahlreiche Dinge, von denen unser Leben buchstäblich abhängt. Die verschiedenen Strategien, sie zu erwerben, ändern nur die Art und Komplexität der Abhängigkeiten, nicht die Tatsache, dass äussere Faktoren unser Überleben beeinflussen – egal ob Jäger, Sammler oder Angestellte. Als Säugetier ist der Mensch schon «von Natur aus» sozial abhängig. Fortpflanzung, Aufzucht und das Wissen, wie zu überleben, sind ohne andere Menschen schlicht unmöglich. Liebe und gegenseitige Verantwortung sind die Schlüsselbegriffe. Doch wo sich Menschen für ein Geben und Nehmen zusammenschliessen, entstehen auch Konflikte, Verletzlichkeit und Machtgefälle. Übereinkünfte und Regeln sind notwendig. Eine Arbeit von Ulf Aminde zeigt spielerisch mögliche Konsequenzen auf, wenn das Missachten von Regeln zur Konvention wird: Für seine Videoinstallation hat er eine Gruppe Punks das Spiel ‹Reise nach Jerusalem› spielen lassen. Die meisten Menschen vertrauen sich gerne einem übergeordneten Sinn an, akzeptieren Abhängigkeiten, die ihnen Struktur geben. Wo das fehlt, locken alternative und nicht selten zerstörerische Strukturen: Die Perspektive ­eines Ex-Junkies vermittelt, dass auch die Sucht Freiheit schafft – die Freiheit vor alltäglichen Entscheidungen. Wann also schadet und wann hilft eine Abhängigkeit?

Bis 
22.03.2020
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abhängig? 17.11.201922.03.2020 Ausstellung Pfäffikon SZ
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