Absolutely Tschudi — Mehr als eine Hommage

Julian Charrière · Not All Who Wander Are Lost, 2019 (hinten); Martina Klein · Untitled, 2001, Ölfarbe, Baumwolle, Holzrahmen, 145 x 140 x 140 cm. Foto: Ralph Feiner

Julian Charrière · Not All Who Wander Are Lost, 2019 (hinten); Martina Klein · Untitled, 2001, Ölfarbe, Baumwolle, Holzrahmen, 145 x 140 x 140 cm. Foto: Ralph Feiner

Hamish Fulton · A 15 Day Walk. Engadin Switzerland 2000, Wandbild, 180 x 180 cm. Foto: Ralph Feiner

Hamish Fulton · A 15 Day Walk. Engadin Switzerland 2000, Wandbild, 180 x 180 cm. Foto: Ralph Feiner

Besprechung

Eine Gruppenschau in der Galerie Tschudi vermittelt seit langem wieder einmal einen breiten Einblick in das Programm, dessen Kunstschaffende sich durch eine Suche nach Beständigkeit auszeichnen. Zugleich ist die Ausstellung eine Hommage an den letztes Jahr verstorbenen Galeristen Ruedi Tschudi.

Absolutely Tschudi — Mehr als eine Hommage

Zuoz — Das Nashorn von Balthasar Burkhard blickt im Eingangsbereich, wo einst das Vieh in diesem herrschaftlichen Engadinerhaus in Zuoz untergebracht war, ungerührt in Richtung der Arbeit ‹Not All Who Wander Are Lost› von Julian Charrière. Das sind regelmässig durchbohrte Steine, die so ein Wabenmuster angenommen haben. Davor, dahinter und darunter sind die Bohrkerne wie ein antikes Rollensystem zum ­Bewegen dieser seltsamen Brocken angeordnet. Beide Arbeiten schlagen einen Bogen zwischen Themen und Eigenschaften, die Ruedi Tschudi (1940–2019) am Herzen lagen: das stete Engagement für eine Sache sowie das Interesse an Tieren und an Afrika. Elsbeth ­Bisig, Mitgründerin der Galerie Tschudi in Glarus 1985 und Partnerin, welche die Galerie weiterführt, berichtet, er habe privat eine wahre Menagerie besessen. Tiere tauchen in der Ausstellung mehrfach auf, sind aber nicht immer ein ‹Omaggio A Rudi›, wie Niele Toronis Blätter – Fotokarten von Schlangen, versehen mit den charakteristischen Pinselabdrücken des Künstlers. Nur subtil scheinen im Video ‹Zone› von Bethan Huws Vögel auf das gleichnamige Gedicht von Apollinaire zu reagieren. Wie exakt die Künstlerin die Sequenzen der fliegenden, stolzierenden oder schwimmenden Vögel auf die Sprache abgestimmt hat, lässt erst das gezeichnete Filmscript erahnen. Die sie umgebende, urtümliche Berglandschaft, anfangs in Glarus, dann seit 2002 in Zuoz, prägt den äusseren Eindruck der Galerie und scheint auch in Arbeiten wie den Gebirgsaufnahmen von ­Balthasar Burkhard in der Schau auf. Viele der ausgestellten Positionen zeigen zudem ein Interesse an zeitlosen Fragen: solchen nach Beständigkeit, nach reduzierten Gesten und der jahrelangen Arbeit an einer Praxis. Dafür kann stellvertretend ‹Cardinal Points› von Richard Long aus dem letzten Jahr stehen. In einer kreisrunden Ansammlung grünlicher Steine bilden zwei Reihen weis­ser Brocken ein Kreuz, das die Himmelsrichtungen markiert. Gesammelt wurde das Material im Rhonebett und im Marmoreragebiet und es beeindruckt durch seine ­pure Präsenz. Auch die Praxis von Hamish Fulton glänzt durch Konsequenz: Er wandert seit Jahrzehnten und dokumentiert dies bloss mit wenigen Fotos oder durch Textwerke mit grundlegendsten Informationen. Kommenden Sommer wird er in Kombination mit zwei malerischen Positionen gezeigt, die jetzt schon heraus­stechen: Dan Walsh und Martina Klein untersuchen unterschiedliche Grundbedingungen der Malerei, Ersterer serielle Muster und Letztere Monochromie im Verhältnis zum Raum. Ein Aufeinandertreffen, das sicher spannend wird. 

Bis 
21.03.2020
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Absolutely Tschudi 21.12.201921.03.2020 Ausstellung Zuoz
Schweiz
CH

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