Barbara Gwerder

Barbara Gwerder, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart

Barbara Gwerder, Ausstellungsansicht Kunsthalle Luzern. Foto: Kilian Bannwart

Barbara Gwerder · AlpStreich Nr. 13, Mischtechnik auf MDF, 115 x 170 cm, 2015–2018. Foto: Esther Heeb

Barbara Gwerder · AlpStreich Nr. 13, Mischtechnik auf MDF, 115 x 170 cm, 2015–2018. Foto: Esther Heeb

Hinweis

Barbara Gwerder

Luzern — Dem künstlerischen Experiment mit Widerständen sind keine Grenzen gesetzt: Hat etwa William Anastasi in den 1970er-Jahren in seinen ‹Subway Drawings› die Erschütterungen der fahrenden Londoner Metro seismografisch mit einem Stift zu Papier gebracht, dachte sich Matthew Barney ein etwas anderes Dispositiv aus: Für seine Serie ‹Drawing restraint› hat der mit Pinsel ausgerüstete Künstler etwa durch Sprünge auf einem Trampolin Deckenmalereien geschaffen, die massgeblich von der Eigengesetzlichkeit der Gravitationskraft bestimmt sind. Widerstände beim Prozess des Malens hat sich auch die Künstlerin Barbara Gwerder (*1967) auferlegt: Für ihre Serie ‹AlpStreich› hat sich die Schwyzerin in die schroffe Bergwelt ihres Heimatkantons zurückgezogen und sich bei der Arbeit im Freien den Launen der Witterung ausgesetzt. In der Kunsthalle sind die Resultate dieser künstlerischen Retraite zu sehen: Es sind dies in Pleinair entstandene Malereien in Mischtechnik auf resistentem MDF-Holz, die mal mehr, mal weniger abstrakt imposante Bergketten zum Sujet haben. Durch den bewussten Tausch des Künstlerateliers gegen ein Wind und Wetter ausgesetztes Ambiente hat Gwerder Momente von Aleatorik zu einem wesentlichen Einflussfaktor ihrer Werkserie gemacht. Indem die Ausstellung zudem die Genese der Bilder betont, verwischen die Polaritäten von werdendem und fertigem Werk. Passend dazu thematisiert die Schau auch den Entstehungsprozess der Serie: So dokumentiert ein von Soundeffekten und Musik begleiteter Film von Sébastien ­Devrient das künstlerische Schaffen in der kargen, felsigen Berglandschaft. Verklärt der Film die Zurückgezogenheit der Künstlerin in der rauen Bergwelt, nehmen sich die ausgestellten Bilder alles andere als nostalgisch aus: Mehr als romantische Impressionen vermitteln ­Gwerders Malereien ein konzeptuelles Schaffen, bei dem die Expressivität im Vordergrund steht. Nichtsdestotrotz erinnern die Bilder angesichts ihrer repetitiven Ästhetik an seriell hergestellte Produkte. Die dramatische Kulisse, die den Bildern als Motiv zugrunde lag, geht auf diese Weise etwas verloren. So könnten die ‹AlpStreiche› geradeso gut innerhalb der hermetischen vier Wände des Ateliers entstanden sein. Ergänzt wird die Schau ‹Mitten im Motiv› von einer Bodeninstallation aus 3000 geschnitzten Edelweissen sowie der raumgreifenden Werkgruppe der ‹Chnebelgrindä›, 2015: Es handelt sich dabei um entrindete Baumstämme, die in die Vertikale emporschiessen und beinahe an der Decke kratzen. Daran aufgespiesst befinden sich aus Beton geformte runde Volumen. Die Arbeit besticht durch die Gegensätzlichkeit und Synthese von fragilem Holz und schwerem Beton. In Gegenüberstellung mit den Bildern rundet sie die Ausstellung gelungen ab.

Bis 
15.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Barbara Gwerder – Mitten im Motiv 12.01.202015.03.2020 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Autor/innen
Tiziana Bonetti
Künstler/innen
Barbara Gwerder

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