EberliMantel — Mittendrin

EberliMantel, vor Fernand Léger, 2020, Weisskreide auf Papier, 70 x 100 cm

EberliMantel, vor Fernand Léger, 2020, Weisskreide auf Papier, 70 x 100 cm

EberliMantel, vor Franz Gertsch II, 2019, Weisskreide auf Papier, 70 x 100 cm

EberliMantel, vor Franz Gertsch II, 2019, Weisskreide auf Papier, 70 x 100 cm

Besprechung

Ein geheimnisvolles ­Fluidum umgibt grosse, kanonische Kunstwerke. Es verleiht ihrer Wirkung Dauer und bietet Gewähr, dass auch spätere Generationen die Objekte bewundern. Das Duo EberliMantel beschäftigt sich seit rund zwanzig Jahren mit ­dieser besonderen Aura rund um Motive der Kunstgeschichte.

EberliMantel — Mittendrin

Zürich — In ihrer jüngsten Serie, für die EberliMantel (Simone Eberli/Andrea ­Mantel) zu Weisskreide und schwarzem Papier greifen, befassen sie sich mit Ikonen der Avantgarde und der Pop Art. Es sind Gemälde, denen sie auf ihren Streifzügen durch das Kunsthaus Zürich und das Kunstmuseum Basel begegnet sind. Bei ihren ­Arbeiten handelt es sich nicht um eine sezierende Analyse. Vielmehr nähern sich die Künstlerinnen den Werken in einem nonverbalen Dialog. Wechselweise zeichnend, bringen sie zu Papier, was sie nachhaltig beeindruckt hat, auf der Spur des rätselhaften Flui­dums der Werke. Als Ausgangspunkt dienen ihnen Ausschnitte von Handyschnappschüssen, die sie während Museumsrundgängen aufgenommen haben. Die Kompositionen sind jedoch keine blossen Reproduktionen der Vorlagen. Vielmehr stimulieren die Handy­fotos den Zeichnungsprozess, während dessen die Künstlerinnen der eigenen Intui­tion folgen. Die Kreidezeichnungen geben so Auskunft über die Beziehung des Duos zu den betrachteten Bildern, die sie nicht nur als Objekte der Kunstgeschichte, sondern als lebendige, immer wieder neu zu befragende und zu interpretierende Organismen verstehen. Ihr Künstlerauge blickt daher nicht bloss von aussen auf die Bilder. Als Protagonistin steht eine von ihnen stets in der Zeichnung, in engem Kontakt mit dem Bild, meistens in Rückenansicht und versunken in kontemplatives Schauen. So zum Beispiel steht Andrea vor einem Figurengemälde von Fernand ­Léger, wobei die komplex geometrischen Farbmuster und -rhythmen sowie der ins Monumentale gesteigerte, stilisierte Kopf mit der vor dem Bild stehenden Betrachterin zu einer Einheit verschmelzen. Auch in der Darstellung, die Simone vor dem von Franz Gertsch gemalten Porträt seiner Tochter Silvia zeigt, scheinen die Grenzen zwischen Bildraum und Denkraum aufgelöst. Bei der Wiedergabe ihrer Sinneseindrücke entfalten die Künstlerinnen ein virtuoses Spiel zwischen Sehen und Gesehenem, Sichtbarem und Unsichtbarem, Anwesendem und Abwesendem, Anschauung und Imagination. Wenn das Duo mit vielfältig differenzierten Kreidestrichen das Momenthafte festhält, ist das Gezeichnete ebenso wichtig wie das Weggelassene. Es ist gerade die Einfachheit der Mittel, die eine überraschende Komplexität bewirkt und so auch dem Publikum Raum lässt für eigene Assoziationen. Das Motiv des Bildes im Bild ist ein alter Topos in der Geschichte der Malerei. Mit ihren Kreidezeichnungen fügen die Künstlerinnen dem Thema ein unerwartetes Kapitel hinzu. 

Bis 
14.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
EberliMantel 28.02.202014.03.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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