Editorial — Symbiose statt Konkurrenz

Olafur Eliasson · Symbiotic seeing, 2020 · Laser (cyan, gelb), Nebelmaschine, Lüftungsanlage, Roboterarm, Cello, Masse variabel, Sound: Hildur Gudnardottir, Installationsansicht: Kunsthaus Zürich, Courtesy neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, NY / Los Angeles. Foto: Franca Candrian

Olafur Eliasson · Symbiotic seeing, 2020 · Laser (cyan, gelb), Nebelmaschine, Lüftungsanlage, Roboterarm, Cello, Masse variabel, Sound: Hildur Gudnardottir, Installationsansicht: Kunsthaus Zürich, Courtesy neugerriemschneider, Berlin; Tanya Bonakdar Gallery, NY / Los Angeles. Foto: Franca Candrian

Editorial

Editorial — Symbiose statt Konkurrenz

Wabernder Nebel, schimmerndes Plankton, prismatische Lichtkegel – mal wirken die Erscheinungen im Kunsthaus vertraut, mal fremd. Wir bewegen uns durch dunkle Räume, wähnen uns in einer Camera obscura, starren auf einen himmelwärts sprudelnden Wasserstrahl oder durch eine wandfüllende Struktur von Glaslinsen, bis wir merken, dass wir von der Gegenseite ebenfalls beäugt werden. Im Rahmen der Pressekonferenz erzählt Olafur Eliasson in seinem weichen, nordisch gefärbten Deutsch, dass er als Kind jeweils von Dänemark nach Island in die Ferien gefahren sei: «Damals gab es noch eine klare Trennung. Hier, in Island, ist Natur, und dort, wo wir herkommen, ist Stadt, ist Kultur.» Heute gibt es diese Zweiteilung nicht mehr, der Mensch hat weite Bereiche der Natur zum Verschwinden gebracht. Was kann die Kunst, was können wir dem darwinschen Gesetz «Survival of the fittest» entgegensetzen? Olafur Eliassons Strategie erschliesst sich erst im steten Spiel von Ver- und Entzauberung, von Wahrnehmen und Wissen. Raum um Raum führt er uns Phänomene und Gesetzmässigkeiten der Natur vor Augen: Bleiben wir beispielsweise unter der atmosphärischen Nebeldecke stehen, bildet unsere Körperwärme immer heftigere Wolkenwirbel, bis sich ein Loch aufreisst und wir in die darüberliegende Deckenkonstruktion blicken. Im letzten Saal katapultiert er uns ganz ins Hier und Jetzt. Die riesigen Fenster bieten freie Sicht auf den Heimplatz. Die Blickwechsel sind programmatisch. ‹Symbiotic seeing› nennt er das – Symbiose statt Konkurrenz. Es geht ihm um eine Sensibilisierung des Blicks für die Welt als Organismus, als sym-bio-tische Lebensgemeinschaft, die wir ebenso prägen wie sie uns. Sensibilisierung führt zu Aktivierung. Was mehr können wir von Kunst erwarten?

Bis 
22.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Olafur Eliasson 17.01.202022.03.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Olafur Eliasson
Autor/innen
Claudia Jolles

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