Hans Baldung Grien

Hans Baldung Grien · Die Geburt Christi, um 1530, (Ausschnitt), Mischtechnik auf Holz, 91,5 x 55,2 cm, Städel Museum, Frankfurt

Hans Baldung Grien · Die Geburt Christi, um 1530, (Ausschnitt), Mischtechnik auf Holz, 91,5 x 55,2 cm, Städel Museum, Frankfurt

Hans Baldung Grien · Zwei Hexen, 1523, Mischtechnik auf Holz, 65,3 x 45,6 cm, Städel

Hans Baldung Grien · Zwei Hexen, 1523, Mischtechnik auf Holz, 65,3 x 45,6 cm, Städel

Hinweis

Hans Baldung Grien

Karlsruhe — Seit rund sechzig Jahren ist Hans Baldung Grien (1484/85–1545) erstmals wieder in einer grossen Übersichtsausstellung zu sehen – in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Gute zwei Drittel seiner Gemälde, insgesamt 62, sowie sehr viele Arbeiten auf Papier und dazu zahlreiche Werke von Zeitgenossen trug der Kurator Holger Jacob-Friesen unter dem Titel ‹heilig – unheilig› zusammen. Baldung Grien war als junger Künstler Mitarbeiter in Dürers Werkstatt, lebte wegen seines malerischen Hauptwerks, des Altars des Münsters, einige Jahre in Freiburg i. Br. und ab 1517 in Strassburg. Als Künstler des Übergangs, von spätgotischer Frömmigkeit über Renaissance im Geist Dürers bis zum Manierismus, ist er eine faszinierende Ausnahmeerscheinung. Er bediente sich mit Könnerschaft und Erfolg sämtlicher Medien – Zeichnung, Druckgrafik, Glasmalerei, Malerei –, liebte die ­Provokation und war weit entfernt von aller Schönheit um ihrer selbst willen. Sein Werk spiegelt die Spannungen der Zeit der beginnenden Reformation. So durchbrach er in seinen kirchengebundenen Bildern die herkömmliche Ikonografie und erschloss neue religiöse Dimensionen. Beispiel ist die ‹Geburt Christi›, ca. 1525, aus dem Städel, wo das grellweiss gemalte Jesuskind so sehr zum Licht der Welt wird, dass Josef schützend seine Hand vor die Augen hält. Beispiele sind auch seine ‹Sündenfall›-Darstellungen, in denen sich Adam von hinten eng an Eva schmiegt: Die Sünde ist nicht der Apfel, sondern die erotische Begegnung der ersten Menschen. Höhepunkt seiner von mancherlei ikonografischen Rösselsprüngen begleiteten Auseinandersetzung mit dem Thema Erotik sind seine Hexendarstellungen. Mit diesen höchst ambivalenten Werken, die oft zu eigentlichen Bildrätseln werden und mit denen er eine gebildete und wohl auch diskussionsfreudige Käuferschicht bediente, steht er singulär in seiner Zeit. Genannt sei das kleine Kabinettstück ‹Zwei Hexen›, 1523, wiederum aus dem Städel, das auf höchst direkte Weise zwei junge nackte Frauengestalten zeigt. Das berühmte Werk hat unterschiedlichste Deutungen erfahren. Sie reichen von verschlüsselter Warnung vor der Seuche Syphilis bis zur Polemik gegen Heinrich Institoris’ ‹Hexenhammer›, dessen Veröffentlichung 1485 einen Auftakt zu den grausamen Hexenverfolgungen bildete. Die Schau in Karlsruhe lässt das Publikum in die zwischen Extremen pendelnde Welt Hans Baldung Griens eintauchen und sie in all ihren Facetten erleben. 

Bis 
08.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hans Baldung Grien 30.11.201908.03.2020 Ausstellung Strasbourg
Frankreich
FR
Künstler/innen
Hans Baldung Grien
Autor/innen
Niklaus Oberholzer

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