Making Fashion Sense

Clara Daguin · Aura Inside, 2018

Clara Daguin · Aura Inside, 2018

Ling Tan · Supergestures, 2018

Ling Tan · Supergestures, 2018

Hinweis

Making Fashion Sense

Basel — Wie verändert die Digitalisierung die Modewelt? Welche Materialien kommen zum Einsatz? Welche Technologien werden für die Produktion genutzt? Wie prägen diese die Schnitte? Die Ausstellung ‹Making Fashion Sense› wagt einen Blick in die Zukunft und zeigt, was eigentlich schon jetzt möglich wäre. Hyperfunktionale Materialien, die unsere biometrischen Daten überwachen, sind längst im Alltag angekommen. Zumindest im Profisport. Die Kuratorinnen Sabine Himmelsbach und Katharina Sand haben über 20 internationale junge Designerinnen beziehungsweise Künstlergruppen mit ihren jüngsten Bekleidungsentwürfen ausgewählt. Anhand ihrer Ausstellung im Haus der elektronischen Künste lassen sich drei aktuelle Tendenzen ablesen: jene, die ein ökologisches Bewusstsein vertritt und sich Themen der Nachhaltigkeit stellt. Hierfür steht Freya Probst mit wurzelbasierten Kleidern. Die auf natürlichen Rohstoffen, natürlichem Wachstum und Naturfarben beruhenden Entwürfe sind jedoch in der Minderheit. Eher hat man den Eindruck, dass, wer künftig «in» sein will, wie ein Leuchtkäfer durch das Leben wandelt: blinkend und glitzernd. In dieser zweiten Gruppe werden Kleiderteile von Lichtblitzen durchzuckt. Ob sie via Sensoren auf Impulse von aussen reagieren oder ob sie der Träger aktiviert, ist nicht immer auszumachen. Ling Tan stellt ihre ‹Supergestures› vor, ein partizipatives Projekt, das die Beziehung zwischen dem urbanen Raum und den Auswirkungen auf unser Leben untersucht. Als dritte Tendenz lässt sich eine von biomorphen Formen inspirierte Ästhetik erkennen. Die Träger dieser Gewänder erscheinen aalglatt und biegsam wie Fische, Amphibien oder, wie einst im Märchen, wie Meerjungfrauen. Traurig scheint nur, dass in vielen Entwürfen eine Gesichtsmaske vorgesehen ist, aus der Augen so wehmütig blicken, als ob sie sich eines anderen Seins erinnern. Was hier als Neuheit in der Modebranche präsentiert wird, hat oft seine Inspirationsquellen in Entwürfen der Vergangenheit, insbesondere der Avantgarde der 1920er-Jahre, die begeistert war von der Elektrifizierung der Lebenswelt, oder den Avantgarden der 1960er-Jahre, die den Weltraum entdeckten. Die Technik wandelt sich, die Utopien nicht? 

Bis 
08.03.2020

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