Marcel Rickli

Marcel Rickli · Strahlenkatze I, 2019, aus: Aeon

Marcel Rickli · Strahlenkatze I, 2019, aus: Aeon

Marcel Rickli · Störzone, 2019, aus: Aeon; im Felslabor Mont Terri im jurassischen Saint-Ursanne wird untersucht, ob man radioaktive Abfälle in Opalinuston einlagern kann

Marcel Rickli · Störzone, 2019, aus: Aeon; im Felslabor Mont Terri im jurassischen Saint-Ursanne wird untersucht, ob man radioaktive Abfälle in Opalinuston einlagern kann

Hinweis

Marcel Rickli

Winterthur — Nach acht Jahren und 22 Aus­stellungen verabschiedet sich Kurator Sascha Renner von der Fotogalerie Coalmine mit der Präsentation zweier eindrucksvoller Werkkomplexe. In beiden, dem essayistisch-dokumentarischen Langzeitprojekt des Kanadiers Ian Willms über den umweltschädlichen Ölsandabbau in Alberta und dem ebenfalls auf lange Zeit angelegten Forschungsprojekt des Schweizers Marcel Rickli (*1986), das sich zwischen Dokumentation und Kunst bewegt, rückt die Fragwürdigkeit des Menschen und seines Tuns ins Zentrum. Eines Tuns, dessen Folgen letztlich nicht absehbar sind und das für ungelöste Probleme sowohl in der Gegenwart wie auch in der Zukunft sorgt. ‹Aeon› überschreibt Rickli seine Schau – und ob wir darunter nun ein Zeitalter, einen unendlich langen Zeitraum oder gar Ewigkeit verstehen, das Problem bleibt das gleiche: Welche Antworten finden wir auf die Frage, wie in fernster Zukunft lebende Generationen vor radioaktiven Abfällen zu schützen sind? Denn diese strahlen, endgelagert, auch noch in Abertausenden von Jahren. Wie warnt man Menschen, die dann womöglich eine ganz andere Sprache sprechen, unsere Zeichen und Formen der Kommunikation nicht mehr verstehen, vor der tödlichen Gefahr? Mit seinen fotografischen und installativen Arbeiten bespielt Rickli souverän zwei Räume. Drei monumentale böse Stacheln, die ins Auge gehen könnten, beherrschen den grossen Raum und geben, zusammen mit ausdrucksstarken Fototableaus von Felslabor, Schutzbehälter, möglichen Warnobjekten oder Gestein den ebenso ästhetischen wie bedrohlichen Ton an. Dazu strahlt aus einem roten ­Leuchtkasten eine schlecht gelaunt wirkende Rexkatze, stellvertretend für den einst von offizieller Seite gemachten Vorschlag, für die Nachwelt eine Strahlenkatze zu züchten, «deren Fell sich unter dem Einfluss ionisierender Strahlung verfärbt». Im kleinen Nebenraum ist es stiller, doch auch die Bilder von der verlassenen Nebellandschaft, der vermauerten Felswand – hinter beiden verbergen sich Endlager – oder der (noch) harmlosen Winterlandschaft bei Trüllikon sprechen eine beredte Sprache. Und rätselhaft schön, mit Blüten wie helmbewehrten, leeräugigen Köpfen, erscheint die ‹Atomblume›, die sich erst unter Kernstrahlung entfaltet. Das alles kommt ohne Legenden aus, die nachträgliche Lektüre des Begleithefts ist sehr empfehlenswert. Gut zu wissen immerhin, dass die Diskussion um die ungelösten Probleme aktuell sachlicher geführt wird und Institutionen und Wissenschaftler sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

Bis 
09.04.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Aeon 17.10.201930.10.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass
Künstler/innen
Marcel Rickli

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