Max Sulzbachner

Max Sulzbachner · Das Gespräch hinter der Türe (nach Rodion Raskolnikoff von Fjodor Dostojewski), 1925. Foto: Martin P. Bühler

Max Sulzbachner · Das Gespräch hinter der Türe (nach Rodion Raskolnikoff von Fjodor Dostojewski), 1925. Foto: Martin P. Bühler

Max Sulzbachner · Raskolnikoff: Ich habe ­getötet, 1925, Kunstmuseum Basel. Foto: Martin P. Bühler

Max Sulzbachner · Raskolnikoff: Ich habe ­getötet, 1925, Kunstmuseum Basel. Foto: Martin P. Bühler

Hinweis

Max Sulzbachner

Basel — Wilde Männer und tote Frauen: Das Kunstmuseum Basel zeigt den Basler Expressionisten Max Sulzbachner (1904–1985). Erstmals lässt sich dank einer Schenkung neben fasnächtlicher Inspiration auch sein bisher unbekanntes, abgründiges Frühwerk entdecken. Diese wichtige Werkphase der Zwanzigerjahre ist im Schulterschluss mit der Basler Künstlervereinigung ‹Rot-Blau› und deren ­Faszination für den in Davos weilenden Ernst Ludwig ­Kirchner (1847–1921) entstanden. Ein Vergleich mit dem zeitgleich in Freiburg gezeigten Hermann Scherer (1893–1927), Freund von Sulzbachner, offenbart nicht nur stilistische, sondern auch thematische Parallelen wie den ‹Frauenmord›. Das unheimliche Bildmotiv tritt auch bei anderen Expressionisten in Erscheinung, so bei George Grosz und Oskar Kokoschka. Sulzbachner thematisiert es in mehreren Werken, etwa in der zwölfteiligen Holzschnittfolge ‹Mondnächte›, 1925, die einem Gedicht von Georg Heym folgt und dieses mit der erfundenen Tötung einer Frau erweitert. Zudem malt Sulzbachner gleich drei Gemälde zum Mörder Raskolnikoff, der aus Geldnot eine Pfandleiherin mit dem Beil erschlägt. Die Figur aus dem Roman ‹Schuld und Sühne›, 1866, von Dostojewski scheint für den Expressionismus fruchtbar gewesen zu sein: Auch der damals bekannte, 1923 entstandene, gleichnamige Stummfilm des deutschen Regisseurs Robert Wiene (1873–1938) verhandelt dessen schuldhafte Verstrickung. Sulzbachner selbst scheint sich mit der Figur des Verbrechers so weit auseinandergesetzt zu haben, dass er gar eine Haft in Kauf nahm und dem Protagonisten seiner Bildreihe die eigenen Gesichtszüge verlieh. Die Theatralik der Szene betont dabei weniger die Tötung der Frau, vielmehr setzt sie auf die Wildheit und Zerrissenheit der Hauptfigur. Monströs und monumental in Szene gesetzt, in unheimlich glühenden Farben gemalt, hat Raskolnikoff hier das Beil gegen sich selbst gerichtet. Angedeutet wird ein Moment des Aussersichseins, ein Lebensgefühl, das die Expressionisten bekundeten und anstrebten.

Bis 
08.03.2020

Werbung