Nina Childress

Nina Childress · Cher, pont, 2019, Öl auf Leinwand, 100 x 160 cm, Courtesy Galerie Bernard Jordan © ProLitteris

Nina Childress · Cher, pont, 2019, Öl auf Leinwand, 100 x 160 cm, Courtesy Galerie Bernard Jordan © ProLitteris

Nina Childress · Bad Cher, pont, 2019, Acryl, Öl und phosphorisierende Farbe auf Leinwand, 97 x 162 cm, Courtesy Galerie Bernard Jordan © ProLitteris

Nina Childress · Bad Cher, pont, 2019, Acryl, Öl und phosphorisierende Farbe auf Leinwand, 97 x 162 cm, Courtesy Galerie Bernard Jordan © ProLitteris

Hinweis

Nina Childress

Paris — Figurative Malerei, jahrzehntelang verpönt, ist in Frankreich wieder in aller Munde. Stunde der Trendfolger. Und all jener, die widerständig weitermalten. Wie Nina Childress (*1961, Pasadena). Inmitten des Verbots der als bourgeois verschrienen figurativen Tafelmalerei tat die gebürtige Kalifornierin, was Kunst ausmacht: trotzdem. In den Siebzigern vor allem als Punk, später im Street-Art-Kollektiv. «Ich lernte, Umgebungen zu schaffen, damit man meine Gemälde schluckt», sagt sie heute in ­ihrem lichten Atelier am Rande von Paris, «während ich bloss weiter tat, was mir am wichtigsten war: malen.» ‹Lobody noves me›, der von Kurator Eric Troncy bei Sean Landers entliehene Titel von Childress’ grosser Solo-Ausstellung in der Fondation Ricard, evoziert diese Ablehnung. Bei der Hängung dieser auch von Malerei als Fauxpas erzählenden Schau verzichtet der Kurator auf inszenatorische Gimmicks: Gemälde hängen an der Wand. Punkt. Gleich zu Beginn lässt ein «bad painting» ­Gustave Courbets 1850 vollendetes politisches Gesellschaftsbild ‹Un enterrement à Ornans› quasi mythisch explodieren. Satirischer Seitenhieb auf die Fondation Ricard als Pariser Hotspot gesellschaftlicher Distinktion? Mit kräftigem, gleichwohl feinem Witz porträtiert Childress sich selbst als grüne Figur im Leda-Kampf mit dem Schwan, malt mit orange phosphorisierender Farbe ein Blumenstill­leben à la Bernard Buffet – einer der lange verpönten Künstler – oder ein im Dunkeln leuch­tendes Gemälde nach einem ­Foto von Catherine Deneuve mit deren Schwester Françoise Dorléac, Ikonen des bourgeoisen Glamours. Mit Porträts zeigt Childress, immer im merkwürdig prekären Bildambiente der Siebziger, die Bandbreite ­ihres Könnens, die Möglichkeiten einer sich aus sich selbst heraus weiter treibenden Malerei. Am Schluss hängt die Kopie eines Selbstporträts von Alphonse Fauré, mit Barett und Malerschleife. Schallend lachend dekonstruieren Childress’ Bilder dominante (Stereo-)Typen. Kunst ist dort, wo es aufs Geliebtwerden nicht ankommt. 

Bis 
28.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Nina Childress 17.02.202028.03.2020 Ausstellung Paris
Frankreich
FR
Künstler/innen
Nina Childress
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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