Peter Hujar & Paul Thek

Peter Hujar · Tomata du Plenty, 1978, Vintage-Silbergelatineabzug vom Künstler, Bildmasse 37 x 37,4 cm, verso in Tinte von Stephen Koch für das Peter Hujar Archive betitelt und datiert, Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich

Peter Hujar · Tomata du Plenty, 1978, Vintage-Silbergelatineabzug vom Künstler, Bildmasse 37 x 37,4 cm, verso in Tinte von Stephen Koch für das Peter Hujar Archive betitelt und datiert, Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich

Paul Thek · The Eye of the Beholder, 1987, Bleistift und Acryl auf Papier, Blattmasse 48,3 x 63,5 cm, recto signiert und datiert, ­Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich

Paul Thek · The Eye of the Beholder, 1987, Bleistift und Acryl auf Papier, Blattmasse 48,3 x 63,5 cm, recto signiert und datiert, ­Courtesy Mai 36 Galerie, Zürich

Hinweis

Peter Hujar & Paul Thek

Zürich — Beide erblickten als Kinder europäischer Emigranten in den Dreissigerjahren an der amerikanischen Ostküste das Licht der Welt. Beide wuchsen in bescheidenen familiären Verhältnissen auf, mit Werten und Moralvorstellungen, die noch stark von den Herkunftsländern geprägt waren: von der Ukraine – Peter Hujar – und Irland – Paul Thek. Doch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten entwickelte sich jeder auf seine ganz eigene Weise zu einem Pionier neuer künstlerischer Ausdrucksformen. Beide zogen nach New York, wo sich ihre Wege 1956 kreuzten. Peter Hujar profiliert sich zunächst, mit Unter­stützung von Richard Avedon, als Modefotograf für Harper’s Bazaar. Die Mode- und Werbe­industrie lässt er jedoch bald links liegen und taucht ein in den Humus der rebellischen Künstlerbohème im East Village. Er bezieht ein Loft und widmet sich fortan freischaffend der Porträt-, Akt- und Strassenfotografie. Seine Bilder bleiben schwarz-weiss: ungeschönt, unmittelbar, jenseits des werbewirksamen Scheins. In seinen Porträts gelingen ihm überraschende Aufnahmen. So, wenn er den nackten Oberkörper des Punkmusikers Tomata du Plenty durch eine ausgeklügelte Dramaturgie von Licht und Schatten in all seiner Fragilität modelliert. Gleichzeitig aber den zornigen Blick des Dargestellten einfängt, mit dem dieser sich abrupt aus dem Profil heraus dem Betrachter zuwendet und in seiner Entschlossenheit jeden Gedanken an Zerbrechlichkeit wieder verpuffen lässt. Eine Darstellung, die an Egon Schieles berühmtes Selbstbildnis von 1912 denken lässt – oder, wer weiss, sogar mit diesem kokettiert. Wie ein Echo auf Hujar erscheint Paul Theks kurz vor seinem Tod gemaltes Bild ‹The Eye of the Beholder›, 1987. Es überrascht durch sein heiteres, türkisblaues Kolorit. Aus der oberen linken Bildecke scheint nicht etwa die Sonne: Nein, ein grosses Auge blickt uns körperlos entgegen. Ihre erfüllteste und kreativste Phase erlebten beide Künstler im Zeichen der Gay Liberation, zwischen den «Stone Wall Riots» 1969 und dem Niedergang der schwulen Subkultur in den Achtzigerjahren durch Aids. Sie starben nur ein Jahr nacheinander, Hujar 1987, Thek 1988, im Alter von Mitte 50. Zu dem intellektuellen Kosmos beider gehörte auch Susan Sontag. Hujar porträtierte sie, Thek widmete ihr sein Bild, ‹Susan lecturing on Nietzsche›, 1987, und sie stand ihm zuletzt als Vorleserin am Sterbebett bei.

Bis 
14.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Peter Hujar & Paul Thek 24.01.202014.03.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Mechthild Heuser
Künstler/innen
Peter Hujar
Paul Thek

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