Serge Brignoni

Serge Brignoni · Korallen, 1959–1965, Öl und Tempera auf Papier, 59,8 x 43 cm, Sammlung Anliker, Emmenbrücke. Foto: Dany Schulthess

Serge Brignoni · Korallen, 1959–1965, Öl und Tempera auf Papier, 59,8 x 43 cm, Sammlung Anliker, Emmenbrücke. Foto: Dany Schulthess

Serge Brignoni · Métamorphose, 1974, Acryl auf Leinwand, 81,5 x 100 cm, Fondazione ­Matasci per l’Arte, Tenero. Foto: Paola Matasci

Serge Brignoni · Métamorphose, 1974, Acryl auf Leinwand, 81,5 x 100 cm, Fondazione ­Matasci per l’Arte, Tenero. Foto: Paola Matasci

Hinweis

Serge Brignoni

Luzern — Seit Januar 2019 ist Heinz Stahlhut, vorher Sammlungskonservator am Kunstmuseum Luzern, Leiter des Hans Erni Museum im Verkehrshaus. Erni (1909–2015) gründete dieses 1979 eröffnete Museum, um seiner Kunst, die in den Schweizer Museen wenig Echo fand, einen eigenen Ort und so jene Öffentlichkeit zu geben, die er selbst definieren konnte. Damit verbunden war – bewusst oder unbewusst? – eine Distanznahme zu dem, was in der Schweizer Kunst des späteren 20. Jahrhunderts Geltung hatte. Das führte allerding zu einem Ghettodasein von Ernis Werk im gepflegt gestylten, aber für Ausstellungen mässig geeigneten Bau des Genfer Architekten Jean-Marie Ellenberger. Heinz Stahlhut möchte diese Isolation aufbrechen. Wohl gibt es im Erdgeschoss des Hauses immer noch einen reich bestückten Erni-Shop und in einem Obergeschoss anhand klug ausgewählter Beispiele eine Übersicht über Ernis Schaffen. Ein Stockwerk will Stahlhut aber für ein Programm nutzen, das nach Beziehungen zwischen Erni und Kunst anderer Provenienz fragt. Begonnen hat er mit einer Ausstellung, die das Thema Fliegen in der Kunst der vergangenen Jahrhunderte, aber auch bei Hans Erni beleuchtete. Nun wird dieses Bestreben fortgesetzt mit einer Ausstellung, die das Gesamtwerk von Serge Brignoni (1903–2002) vorstellt und auch mit Erni in Beziehung setzt. Es gibt Überschneidungen in Leben und Schaffen der beiden Zeitgenossen. Sie waren gleichzeitig in Berlin, lebten – Erni kurz, Brignoni von den Zwanziger- bis zu den Vierzigerjahren – in Paris, waren Mitglieder der Allianz, waren mehrfach gemeinsam in Gruppenausstellungen und in Grafikmappen vertreten. Im Werk beider spielt der Surrealismus eine Rolle – prägend bei Brignoni, eher marginal bei Erni. Doch Unterschiede scheinen zu überwiegen. Fremd sind Brignoni vor allem Ernis Selbstsicherheit, sein Drang, komplexe Sachverhalte illustrierend zu vereinfachen, und ebenso dessen Streben nach Virtuosität und technischer Perfektion. Die Ausstellung führt uns Brignoni vielmehr als fragenden Zweifler vor Augen, der in Malerei und Skulptur spontan nach einer Sprache für sein Selbst- und Weltverständnis sucht. Er findet sie in einem sehr persönlichen und eigenständigen malerischen Surrealismus weitab der offiziellen Breton-Doktrin. So ist in der Ausstellung dem offenen Personalstil Brignonis zu begegnen, der sich zu durchsichtiger Mehrdeutigkeit und auch zur Vorläufigkeit seines künstlerischen Tuns bekennt.

Bis 
15.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Serge Brignoni 10.12.201915.03.2020 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Serge Brignoni
Autor/innen
Niklaus Oberholzer

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