Striking Moments In Photojournalism 1932–1989

José Giribás Marambio · Mitternacht vom 9. auf den 10. November 1989 in der Nähe des Brandenburger Tors, erste Zivilisten beginnen mit dem Abbruch der Mauer, Westberlin

José Giribás Marambio · Mitternacht vom 9. auf den 10. November 1989 in der Nähe des Brandenburger Tors, erste Zivilisten beginnen mit dem Abbruch der Mauer, Westberlin

Jeff Widener · Tank Man, Tienanmen, Peking, 5. Juni 1989

Jeff Widener · Tank Man, Tienanmen, Peking, 5. Juni 1989

Hinweis

Striking Moments In Photojournalism 1932–1989

Zürich — Ein Mann stellt sich vor vier fahrende Panzer, die langsam auf ihn zurollen. Seine Einkaufstüte hält er noch in der Hand, weicht keinen Schritt zur Seite. Diese Fotografie von Jeff Widener, die 1989 während den pro-demokratischen Protesten in Peking entstand, wurde zum Symbol für Widerstand, für die Stärke des Einzelnen, und zu einem der ­einflussreichsten Bilder des vergangenen Jahrhunderts. Mit dieser und anderen Aufnahmen beleuchtet die Ausstellung in der Photobastei fotojournalistische Arbeiten aus dem Zeitraum zwischen 1932 und 1989, die unser Gedächtnis bis heute prägen. Zu sehen sind Bilder vom Konzentra­tionslager in Bergen-Belsen, von den Studierendenprotesten in Paris, vom Bloody Sunday in Nordirland, vom Mauerfall in Berlin. Gleichzeitig wirft die Schau auch Fragen nach der Rolle der Fotografie auf. Denn die ­Digitalisierung hat einerseits zu einer Bilderflut, andererseits zum Einbruch von Werbeeinnahmen der Zeitungen und Zeitschriften geführt. Durch Letzteres hat sich in den Verlagen eine ökonomische Haltung etabliert: Es wird nicht mehr das Bild gewählt, das hinterfragt, sondern dasjenige, das mehr Leserinnen und Leser anspricht. «Unterhaltung wurde und ist wichtiger als ‹teurer› Inhalt», heisst es in einem der Ausstellungstexte. «Das vermeintlich ‹meist­gesehene› sticht das ‹erklärende› oder ‹hinterfragende› aus!» Diese Entwicklung besteht durchaus, lässt sich aber keinesfalls verallgemeinern. Denn sie impliziert, dass das journalistische Bild seine Bedeutung verloren hat, nicht mehr seinem Inhalt, sondern nur noch dem Spektakel genügen muss. Sie impliziert, dass die Betrachterinnen und Betrachter auf das Unterhaltsame aus sind, dass das Bild (oder die Realität) nur dann interessant ist, wenn man sich daran ergötzen kann. Und sie impliziert, dass man Leiden und Krieg als Schauspiel betrachtet, dem man sich jederzeit wieder entziehen kann, ohne Empathie zu empfinden. Diese kulturpessimistische Haltung möchte ich vehement ablehnen. Denn sie nimmt an, um es in den Worten von Susan Sontag zu sagen, «dass jeder Mensch Zuschauer ist, und suggeriert – absurderweise und völlig unseriös –, dass es wirkliches Leiden auf der Welt gar nicht gibt».

Bis 
15.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Striking Moments In Photojournalism 1932 - 1989 28.11.201915.03.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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