Walead Beshty

Walead Beshty · Table [Source: embossed lacquered medium density fiberboard and ...]. Foto: Jens Ziehe

Walead Beshty · Table [Source: embossed lacquered medium density fiberboard and ...]. Foto: Jens Ziehe

Walead Beshty · Office Work (Apple iMac A1419 27-inch 3.5 GHz Intel Core i5), 2018, Courtesy Regen Projects, Los Angeles. Foto: Brian Forrest

Walead Beshty · Office Work (Apple iMac A1419 27-inch 3.5 GHz Intel Core i5), 2018, Courtesy Regen Projects, Los Angeles. Foto: Brian Forrest

Hinweis

Walead Beshty

Winterthur — Ahnungslose Besucherinnen und Besucher mögen durchaus irritiert sein von den sichtlich «angeschlagenen» Glaskuben, die in der Sammlung des Kunstmuseums Winterthur auf passgenau gleich grossen Fedex-Boxen postiert sind. Dem Fachpublikum aber weisen die Objekte, die man aus den Medien oder der letztjährigen Schau im Genfer MAMCO kennt, zielsicher den Weg hinüber zum Neubau, wo die Präsentation des in LA lebenden Künstlers Walead Beshty (*1976, London) eingerichtet ist. Begrüsst wird man dort von einem Epson-Scanner, der in Einzelteile zerlegt auf einer senkrecht stehenden Stange aufgespiesst ist und dabei fröhlich weiterscannt – knatternd wie ein Maschinengewehr. Nicht minder erstaunlich gibt auch ein Flat Screen noch ein Leuchten von sich, obwohl er von einem kreisrunden Loch perforiert ist. Ähnlich wie Beshty hier das Wunderwerk Technik auf eine materielle Ebene hinunterbricht, stellt er der Aura des Kunstwerks – auch in den ellenlangen, faktisch beschreibenden Werktiteln – unermüdlich dessen Realität als Handelsware und maschinell produziertes Gut gegenüber: Auf gigantischen Fotopapieren manifestiert sich als abstraktes, vielfarbiges Muster der Effekt, den das Stocken einer alten Druckmaschine auf sie hat. Und die geometrisch schlichten Kupferobjekte müssen vom Aufbaupersonal stets mit blossen Händen installiert werden, sodass sich die Ausstellungshistorie als oxidierte Fingerabdrücke im Werk einbrennt. Das alles knüpft stark bei der Minimal Art an und ist doch ganz in unserer Zeit verankert, wo die Blase des Kunstmarkts gebläht ist wie nie zuvor, und Fragen nach dem Verhältnis von Produktion, Distribution und Wertzuschreibung am Kunstwerk ­haften wie die Fingerspuren an Beshtys ‹Copper Surrogates›. Allerdings ist man ob des doch gar schicken Glanzes der zahlreich versammelten Arbeiten froh, dass andere Werke die Ernsthaftigkeit seiner «Systemanalyse» verdeutlichen, die auf die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes verweist. Da sind etwa eigenwillige «Würfel-Collagen» aus Annoncen aller Art, die der Künstler nach dem Platzen der US-Immobilienblase in den Strassen fand, oder ‹Minimum Wage Posters› aus ­unterschiedlichen Städten Amerikas, mittels derer der – oft erschreckend tiefe – Mindestlohn in gewissen Gewerben angezeigt werden muss. Solche Brückenschläge machen Beshtys Kunst bei aller Selfie-Tauglichkeit doch sympathisch lebensnah – Kunst zum Anfassen eben.

Bis 
19.04.2020

→ Kunstmuseum, bis 19.4.; Katalog­vernissage und Führung mit K. Bitterli/L. Kost, 5.4., 13 Uhr ↗ www.kmw.ch
 

Ausstellungen/Newstickerabsteigend sortieren Datum Typ Ort Land
Walead Beshty 12.05.202009.08.2020 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH
Künstler/innen
Walead Beshty
Autor/innen
Deborah Keller

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