Wege in die Abstraktion

Willi Baumeister · Prisma, Spektrum mit weissem Kreis auf Rosa, 1921–1922, Öl und Bleistift auf Leinwand, 73,3 x 54,6 cm, Courtesy Kunstmuseum Stuttgart © ProLitteris

Willi Baumeister · Prisma, Spektrum mit weissem Kreis auf Rosa, 1921–1922, Öl und Bleistift auf Leinwand, 73,3 x 54,6 cm, Courtesy Kunstmuseum Stuttgart © ProLitteris

Marta Hoepffner · Gläser mit Rose, 1956, Farb-Solarisation auf Fotopapier, 35,5 x 28,5 cm, Courtesy Museum – Galerie Lände, Kressbronn

Marta Hoepffner · Gläser mit Rose, 1956, Farb-Solarisation auf Fotopapier, 35,5 x 28,5 cm, Courtesy Museum – Galerie Lände, Kressbronn

Hinweis

Wege in die Abstraktion

Friedrichshafen — Das Zeppelin Museum bringt in einer eigens konzipierten Ausstellung gut 80 Werke der Fotografin Marta Hoepffner (1912–2000) und ihres Lehrers, des Malers Willi Baumeister (1889–1955), erstmals zusammen. Die in zwölf Kapitel gegliederten Arbeiten illustrieren einen Zeitraum von 60 Jahren und stammen aus der hauseigenen Sammlung wie auch von externen Leihgebern. Eines der frühsten Werke von Baumeister ist eine ‹Landschaft mit Kran›, Öl auf Pappe, ca. 1909; Spätwerke von Hoepffner sind unter anderem die ‹Variochromatischen Lichtobjekte› – durchleuchtete Collagen in drehbaren Kästen. So verschieden die Ausdrucksformen von Hoepffner und Baumeister sind, so gemeinsam können Themen und Ausführung ihrer Werke sein. Dies zeigt sich in zwei Gemälden mit Hockeyspieleren. Baumeister staffelt 1927 in angedeuteter städtischer Umgebung vier abstrakte Figuren hinter einem Ball, und ist da nicht ein griechischer Tempel rechts im Hintergrund? Hoepffner zeigt uns drei Jahre später zwei Eishockeyspieler; einen Torwart und eine das Spiel beobachtende schwarz gekleidete Figur mit gekreuzten Beinen. Eine schräg abgeschnittene weisse Fläche markiert das Eisfeld vor wolkig blauem Grund. Markante rot-weisse Elemente finden sich in den Stulpen und Tricots der Spieler sowie in der angedeuteten Torumrandung. Derart macht die Ausstellung sowohl Verbindungen als auch Unterschiede sichtbar – von der Wahl der Materialien bis zum Ringen um eigenständige abstrakte Formen und Motive. Beide verbanden Kunst mit Forschung. Baumeister besass eine grosse Sammlung von Steinkeilen und ging den Techniken prähistorischer Höhlenmalereien nach. 1947 veröffentlichte er das Lehrbuch ‹Das Unbekannte in der Kunst›. Beide mussten im Dritten Reich ihre Kunst teilweise im Verborgenen weiterführen. Baumeister konnte im Schutz einer Anstellung weiterforschen, sein Haus wurde aber zerstört. Hoepffner trug wichtige Negative stets auf sich und verlor ihr Atelier. Der zuvor enge persönliche Kontakt wurde unterbrochen. Nach dem Weltenbrand gründete Hoepffner mit ihrer Schwester Madeleine in Hofheim am Taunus eine private Fotoschule. Sie begann mit Experimenten in der Farbfotografie und konzentrierte sich auf kameralose Bilder. Die typografisch und farblich konzise Ausstellung zeigt eine umfasende Werkschau und bietet mittels eines Tischs voller Archivalien und Briefen auch einen faszinierenden Einblick in zwei miteinander verknüpfte Leben.

Bis 
19.04.2020
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Zeppelin Museum Deutschland Friedrichshafen
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Marta Hoepffner, Willi Baumeister 29.11.201919.04.2020 Ausstellung Friedrichshafen
Deutschland
DE
Künstler/innen
Willi Baumeister
Marta Hoepffner
Autor/innen
Thomas Schlup

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