Wenn Pflanzen sprechen lernen

Isabelle Krieg · Blumen und Erleuchtungen, 2019, Ausstellungsansicht Fundaziun Nairs © ProLitteris. Foto: Nelly Rodriguez

Isabelle Krieg · Blumen und Erleuchtungen, 2019, Ausstellungsansicht Fundaziun Nairs © ProLitteris. Foto: Nelly Rodriguez

Anna Comiotto · Autark I, 2016/2018, Klang­installation aus Erde, Gestein, Erz, Schalltrichter und Code, Ausstellungsansicht Fundaziun Nairs. Foto: Nelly Rodriguez

Anna Comiotto · Autark I, 2016/2018, Klang­installation aus Erde, Gestein, Erz, Schalltrichter und Code, Ausstellungsansicht Fundaziun Nairs. Foto: Nelly Rodriguez

Hinweis

Wenn Pflanzen sprechen lernen

Nairs — Während 52 Wochen ersetzte Isabelle Krieg in ‹Der laufende Blumenstrauss› jede Woche die jeweils verwelkten Blumen desselben Arrangements und fotografierte es. Diese Arbeit im Untergeschoss der Fundaziun Nairs kann als Rahmen für ihre Einzelausstellung ‹Blumen und Erleuchtung› sowie für die parallele Gruppenausstellung ‹Electronic Flow(er) – Bilder und Klänge der Natur› verstanden werden: Beide sind geprägt von einer ganz eigenen, unaufgeregten Bildsprache, Zeitlichkeit und Poesie. Isabelle Krieg ist für ihre hängenden Brote bekannt, die als wolkenartige Licht­skulptur funktionieren und vieldeutige Titel wie ‹Abendbrot› tragen. Von 2003 stammt diese älteste gezeigte Arbeit, just aus dem Jahr, als sie in Nairs Stipendiatin war. In ‹Farbgeschichte› von 2019 hat sie alle Farben in der Reihenfolge ihrer Erwähnung in Kellers ‹Grünem Heinrich› in einen Stoff verweben lassen. Neben einem feinen Witz offenbart sich die Liebe für die Verdichtung von Themen zu erfahrbaren Übersetzungen. ‹Planblätter›, eine weitere Arbeit aus dem letzten Jahr, wo Blattstrukturen des Blauglockenbaums mit Städte­bauvisionen überlagert werden, verschmilzt quasi gar Natur und Kultur. Dieses letztgenannte Werk leitet über zur Ausstellung der Kuratorin Nadia Bensbih, Stipendiatin der Fundaziun Nairs im letzten Sommer, die dem verborgenen «Leben» in der Erde, sei es physikalisch oder natürlich, nachspürt. Der Rundgang beginnt im Erdgeschoss mit Anna Comiotto, die in einer archaischen Batterie aus mit Drähten verbundenen, aufgereihten Mineralien Strom produziert, der als Impuls fein hörbar wird. Eine Etage höher zeigt das Duo ­Simon Lerin und Bettina Hystad in Video­arbeiten Blumen, deren bioelektrische Prozesse sie, durch Synthesizer umgewandelt, in diesen Aufnahmen gleich vertonen und so eigene Kompositionen schaffen. Auf dem Estrich hat der Forscher und Künstler Marcus Maeder ­einen dunklen Resonanzkörper gebaut. ‹Edaphon Braggio› belauscht Erdtiere an verschiedenen Stellen der gleichnamigen Gemeinde. Ähnlich wie Krieg findet Maeder eine eigene visuelle Form für ein abstraktes Thema wie die Umwelt, für die er sich als Umweltwissenschaftler interessiert, ohne dabei didaktisch zu werden. Beide Ausstellungen laden nach einer Wanderung durch die Engadiner Landschaft beim ­Besuch dazu ein, sich noch auf eine andere Weise der Frage des Nebeneinanders von Mensch und Natur zu nähern. 

Bis 
19.04.2020
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Fundaziun Nairs Schweiz Scuol-Nairs
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Electronic Flow(er) 28.12.201919.04.2020 Ausstellung Scuol-Nairs
Schweiz
CH
Isabelle Krieg 28.12.201919.04.2020 Ausstellung Scuol-Nairs
Schweiz
CH

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