Yves Netzhammer / Gramazio Kohler

Yves Netzhammer / Gramazio Kohler · ­Research, ETH Zürich, Ansicht des zeichnenden Roboters nach einem Motiv von Yves ­Netzhammer, 2019. Foto: Michael Lyrenmann

Yves Netzhammer / Gramazio Kohler · ­Research, ETH Zürich, Ansicht des zeichnenden Roboters nach einem Motiv von Yves ­Netzhammer, 2019. Foto: Michael Lyrenmann

Yves Netzhammer · Photoätzung und ­Aquatinta, 2019

Yves Netzhammer · Photoätzung und ­Aquatinta, 2019

Hinweis

Yves Netzhammer / Gramazio Kohler

Zürich — Kann ein Roboter menschliche Bewegungen nachahmen? Und fängt dieser Roboter an zu zeichnen: Entsteht dabei eine ästhetische Qualität, die mit einem Werk vergleichbar ist, das vom Menschen geschaffen wurde? Die Ausstellung ‹Gravitatorische Behauptungen› widmet sich diesen Fragen und thematisiert damit das Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. In der Graphischen Sammlung der ETH legen zwei Roboter eine Schnur aus. Dabei dienen ihnen Zeichnungen von Yves ­Netzhammer (*1970, Schaffhausen) als Vorlage. Der Künstler hat dafür Motive ausgesucht, die als «One-Stroke-Zeichnungen» in einem Zug ausgeführt werden können. «In der Ausstellung sollen künstlerische Prozesse und Grenzen der technischen Möglichkeiten ausgelotet werden», sagt Alexandra Barcal, Kuratorin der Graphischen Sammlung. Für die Ausstellung arbeitete Netzhammer mit den Architekten Fabio Gramazio und Matthias Kohler zusammen, die sich in ihrem Forschungsinsitut an der ETH mit digitalen Bautechniken auseinandersetzen. Ein Beispiel dafür ist ihr Projekt ‹Rock Print Pavilion›. Dafür liessen sie ­einen Pavillon von einem Roboter bauen: Die Säulen bestanden aus mehreren Schotterschichten, die durch eine in Schlaufen gelegte Schnur zusammengehalten wurden. Als die Architektur stand, wurde die Schnur entfernt, der Pavillon abgebaut und das Material weiterverwertet. Eine ähnlich ephemere Qualität weist auch die Ausstellung in der Graphischen Sammlung auf. Dreimal täglich legen die Roboter ein Motiv von Netzhammer aus. «Bei aller immanenten Kontrollier- und Wiederholbarkeit der Gebilde treten immer wieder Fehler und Ungenauigkeiten im System auf», sagt ­Alexandra Barcal. «So werden ephemere Momente voller existenzieller Absurdität geschaffen.» So, wie in der Installation einzelne Motive übereinandergelegt werden, tat dies Yves ­Netzhammer in seinen Druckgrafiken, die für diese Schau entstanden sind: Er legte eine Heliogravur über eine Aquatinta. Die Linie ist dabei das zentrale gestalterische Element, das auch in der Installation auftritt. «Die Ausstellung bringt Technik und Grafik zusammen. Doch viel wichtiger als das Endprodukt ist der Prozess», sagt Linda Schädler, Leiterin der Graphischen Sammlung. «Denn die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen ist immer ein Experiment, das für die Beteiligten und das Publikum neue Zugänge ermöglicht.»

Bis 
15.03.2020

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