Zeitgenössische Kunst der Aborigines — Zwischen immer und jetzt

Before Time Began, Arbeiten aus den Pionier­jahren der Gegenwartskunst der Aborigines, 1971–1974, Ausstellungsansicht Fondation Opale, Lens. Foto: Sébastien Crettaz

Before Time Began, Arbeiten aus den Pionier­jahren der Gegenwartskunst der Aborigines, 1971–1974, Ausstellungsansicht Fondation Opale, Lens. Foto: Sébastien Crettaz

Before Time Began, Arbeiten des Frauen­kollektivs Anangu Pitjantatjara Yankunytjatjara/APY, Ausstellungsansicht Fondation Opale, Lens. Foto: Sébastien Crettaz

Before Time Began, Arbeiten des Frauen­kollektivs Anangu Pitjantatjara Yankunytjatjara/APY, Ausstellungsansicht Fondation Opale, Lens. Foto: Sébastien Crettaz

Besprechung

Die Fondation Opale hat mit ihrer auf Gegenwartskunst der Aborigines spezialisierten Sammlung das Museum in Lens bei Crans-Montana übernommen. In der Eröffnungsausstellung bietet sie eine wunderbare «Initiation» in dieses Universum. Mit Spannung darf das künftige Programm erwartet werden.

Zeitgenössische Kunst der Aborigines — Zwischen immer und jetzt

Lens/VS — Die Gegenwartskunst der Aborigines besitzt einen Gründungsmythos, der in die Zeit nach der Anerkennung der Aborigines als australische Bürger/innen, also nach 1967 zurückführt. Fast banal hört sich dabei die Geschichte an: So wollte ein Schuldirektor im Zentrum Papunya im Northern Territory den Stolz der Aborigines-Kinder auf ihre – erst seit Kurzem obligatorische – Schule erhöhen, die sie ständig beschädigten und verschmierten. Er lud sie deshalb ein, das Schulhaus mit Motiven aus ihrem kulturellen Erbe zu bemalen. Die Mädchen und Jungen waren jedoch zurückhaltend. Nur Eingeweihte durften im Prinzip solche Bilder bei Riten zelebrieren, was meist ephemer geschah, auf Felsen, im Sand und auf dem Körper. Alles andere als banal war dann die Schaffenskraft, die der mit dem Projekt ­betraute Lehrer einer herbeigerufenen Gruppe von traditionellen Magier/innen entlocken konnte. Nicht nur die Schule erhielt ein Gewand visueller Narrationen aus der Tiefe der Zeit, wo nach der Vorstellung der Aborigines ein Ahnengeschlecht die Welt erschuf und das Zusammenleben von Mensch, Fauna und Flora regelte. Der Lehrer stellte der Gruppe weiter Acrylfarben und Leinwände zur Verfügung, worauf diese Motive in einer Explosion individueller Sprachen ganz neue Formen annahmen. Aus der Sammlung von Bérangère Primat, der Gründungspräsidentin der Fonda­tion Opale, sind nun in Lens ein Dutzend dieser Schlüsselwerke aus den frühen Siebzigerjahren zu sehen, die durch optische Spiele mit Punkten und Linien in Ockerfarben, Weiss und Schwarz bestechen. Damit nicht genug: Dieser fulminante, wenn natürlich auch Fragen aufwerfende Moment globaler Kunstgeschichte wird in der Ausstellung ‹Before Time Began› in Meisterwerke von Aborigines, die in Kontakt mit dem Westen standen, aus gut 150 Jahren eingebettet. So belieferten gewisse Stämme die ­Märkte tatsächlich bereits im 19. Jahrhundert mit Tierbildern auf Baumrinden und anderen Artefakten, während jüngere Generationen seit der Zäsur von Papunya immer stärker auch alltägliche Erfahrungen in ihrer Kunst verarbeiteten. Künftig sollen vor allem zentrale Positionen aus den letzten fünfzig Jahren vertieft wie auch Brücken zum hiesigen Kunstschaffen geschlagen werden. Zwei Berühmtheiten in ihrem Feld ­machen in je einer Koje bereits den Anfang, nämlich Walala Tjapaltjarri (*ca. 1970, Marua/AUS) mit riesigen, schwarzweissen, signalhaft wirkenden Gemälden und ­Pipilotti Rist (*1962, Grabs) mit ihrer lyrischen, auf einen aufgehängten Stein pro­jizierten Ursprungsvision ‹Berg Elle›, 2017. 

Bis 
29.03.2020

→ ‹Before Time Began›, Fondation Opale, Lens, bis 29.3., mit Katalog ↗ www.fondationopale.ch

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Before Time Began 09.06.201929.03.2020 Ausstellung Lens
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