Gianni Motti — Ex-Position21

Gianni Motti · Ex-Position21, 2021, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf. Foto: Annick Wetter

Gianni Motti · Ex-Position21, 2021, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf. Foto: Annick Wetter

Gianni Motti · Evento mentale, 2020, Bronze, 59 x 60 x 19 cm, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf. Foto: Annick Wetter

Gianni Motti · Evento mentale, 2020, Bronze, 59 x 60 x 19 cm, Ausstellungsansicht Galerie Mezzanin, Genf. Foto: Annick Wetter

Besprechung

Der Künstler Gianni Motti widmet seine Ausstellung in der ­Galerie Mezzanin in Genf dem Nachdenken über das System der Pandemie. Was nehmen wir davon wahr und wie verändert sie uns? Wie so oft findet er für komplexe Situationen radikal ein­fache Bilder und Objekte.

Gianni Motti — Ex-Position21

Genf — Vor den makellos weissen Wänden der Galerie Mezzanin, unter dem klinischen Licht von Neonröhren, steht in der Mitte des Raums ein leeres Krankenhausbett. Ein Kissen, weisse Laken, zwei Infusionsflaschen. Mit dieser symbolhaften Geste berührt der Genfer Künstler Gianni Motti (*1958, Sondrino) den Kern der gegenwärtigen Pandemie-Situation. Was löst diese Covid-Grippe in unserem Körper, in unserer Gesellschaft aus?  Das leere Bett – durchs Schaufenster ist es 24 Stunden zu sehen – stösst Fragen an, die das System der Pandemie beleuchten. Zwischen dem Erkennen und Behandeln von Symptomen und den Massnahmen, die verhindern, dass sie überhaupt entstehen, ist in den vergangenen Monaten eine ganz eigene Geschäftigkeit entstanden. Vor allem die politischen Vorgaben – ihrerseits basierend auf Forderungen unterschiedlichster Gruppierungen – treiben sie an. Abstandsregeln, Laden- und Restaurantschliessungen, Kurzarbeitsverordnungen, Maskenpflicht, Reisebeschränkungen und Schuldenbudgets halten uns in Bewegung. Und immer bedrängt uns zugleich die leise Sorge: Funktioniert das medizinische System, wird es uns gute Behandlung anbieten?
In diesem Kontext der allgegenwärtigen Kontrolle, des merkbaren Verlustes individueller Freiheiten sowie einer Flut ungezügelter Ängste und Fantasien aller Art will dieses Bett – gefertigt in China – ein Spiegel unserer Zeit sein. Eine Zwischenstation zwischen positiv und negativ, zwischen Rettung und Sterben. Gianni Motto legt den Finger mitten in den wunden Punkt. Dort, wo es weh tut, da, wo wir traurig werden.
Aus der heutigen Warte liest man möglicherweise auch eine frühe Arbeit anders, die in der kleinen Ausstellung im Kabinett der Galerie hängt: In einer Schwarzweissfotografie von 1978 sieht man den Künstler auf einem Bahngleis liegen, der Titel lautet ‹Distacco›, Distanz. Das Foto dokumentiert eine Performance in St. Moritz, der Zug ist nicht zu sehen, doch die latente Gefahr ist offensichtlich.
Ebenfalls im Kabinett erregt eine Bronzeskulptur unsere Aufmerksamkeit: Ein Arm hält eine Zirbennuss. Die Frucht der Sibirischen Zeder ist ein altes Symbol der Wahrnehmung und Erkenntnis und wurde schon von den Ägyptern geschätzt. Die Schuppen der Nuss scheinen immer wieder auch in Kopfbedeckungen von Buddha-Darstellungen auf. Gianni Motti reicht uns in der Bronzeskulptur ‹Evento mentale›, 2020, mit der Zirbenfrucht ein Zeichen der Zuversicht und Freude. 

Bis 
13.03.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Gianni Motti 15.01.202113.03.2021 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Künstler/innen
Gianni Motti
Autor/innen
Sibylle Omlin

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