Monika Feucht — Signum – Systeme

Monika Feucht · Signum Systema, 2019, Bleistift, Grafit auf Papier, 291 x 98 cm. Foto: Franca Pedrazzetti

Monika Feucht · Signum Systema, 2019, Bleistift, Grafit auf Papier, 291 x 98 cm. Foto: Franca Pedrazzetti

Besprechung

Baumrinden haben Augen, Flechten kommunizieren, Schatten­würfe werden zu Trägern von Körpererweiterungen. Monika Feucht gibt den übersehenen Strukturen in den Dingen und Begebenheiten des Alltags zeichnend eine visuelle Stimme. Sie mischt Zeichensysteme neu auf.

Monika Feucht — Signum – Systeme

Zug — Signalartig reagiert Monika Feucht auf kleinste Details ihrer Umgebung, die sie in Heften skizziert und als Fundus sammelt. Zu gegebener Zeit können sie zu Auslösern oftmals als Gruppe realisierter Werke werden. ‹Signum – Systeme› heisst ihre Ausstellung, die sich über die verzweigten Räume auf den drei Etagen der Galerie Carla Renggli verteilt. Die Linie, die sich zur Fläche, zum Objekt, zur Installation und zum übergreifenden Verbindungsstrang weitet, zieht sich als bildnerisches Leitmotiv durch ihr vielgestaltiges und medial vielfältiges Schaffen. Die Linie im Beziehungsgeschehen von Verästelungen und kapillaren Vernetzungen wird zur Metapher für kommunikative Systemzusammenhänge und ihnen innewohnende Transformationen.
Für Monika Feucht wird die Zeit zum Werkzeug. Sie setzt in einer meditativen Versunkenheit und einer kräftezehrenden Arbeitsweise Strich um Strich auf das Papier von teils monumentaler Grösse. In einem nächsten Schritt reagiert sie auf punktuelle strukturelle Verdichtungen. Inspiration dabei ist ihr, im Gegenzug zur digitalen Lebenswelt, der reale Kontakt mit Orten und Landschaften, organischen Fundstücken und Alltagsgegenständen: Es handelt sich um ein «Einwohnen», ein Anpassen im Sinne einer Verinnerlichung durch Berührung – die künstlerische Umsetzung verbindet sich mit einer philosophischen Denkhaltung. ‹Wo ich wirklich war› heisst eine fiktive Landschaft, die in Paris entstand, deren mögliche reale Verortung jedoch eher im engsten Umfeld von Monika Feuchts Wohnort Luzern zu finden ist. Ein Aufenthalt 2018 in Genua, im Atelier des Bildhauers Schang Hutter, hat vertiefte Reflexionen ausgelöst. Anders gelagert war diesmal das Einwohnen – Einsamkeit herrschte vor. Mit schnellem Strich und erstmals mit Chinatusche gestaltete Feucht hier tagebuchartige Zeichnungen. Zudem reagierte sie auf das von Schang Hutter selbst entworfene Mobiliar und schuf sich mit der Arbeit ‹Meubler sa solitude› einen kokon­artigen Entfaltungsraum. Mit Gouache und Leuchtfarbe bemalt, schweben zwei Stühle und ein Tisch als Papierobjekte installativ vor einer Wand. Im Untergeschoss der Galerie begegnet man paarweise einander gegenübergestellten Tischen, «gedeckt» mit wie Tischsets erscheinenden Zeichnungen, in deren Mitte weiss grundierte Suppenteller die Umgebung in ihrem Inneren spiegeln. Die Zahl der Tische in ‹La Cena – Mein täglich Brot› spielt mit der Anlehnung an das Abendmahl und thematisiert die Dringlichkeit künstlerischen Tuns. Signum wird zum Losungswort. 

Bis 
03.04.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Monika Feucht 03.03.202103.04.2021 Ausstellung Zug
Schweiz
CH
Autor/innen
Sabine Arlitt
Künstler/innen
Monika Feucht

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