Gil Pellaton — Turnstange trifft Armbanduhr

Gil Pellaton · Each exercise has a specific purpose, 2022, Holz, Stahl, Bienenwachs, Uhr, 1400 x 4,5 cm. Foto: Guadalupe Ruiz

Gil Pellaton · Each exercise has a specific purpose, 2022, Holz, Stahl, Bienenwachs, Uhr, 1400 x 4,5 cm. Foto: Guadalupe Ruiz

Gil Pellaton · Each exercise has a specific purpose, 2022, Holz, Stahl, Bienenwachs, Uhr, 1400 x 4,5 cm. Foto: Guadalupe Ruiz

Gil Pellaton · Each exercise has a specific purpose, 2022, Holz, Stahl, Bienenwachs, Uhr, 1400 x 4,5 cm. Foto: Guadalupe Ruiz

Besprechung

il Pellaton verwendet für seine Objekte und Installationen oft ungewöhnliche organische Materialien wie Koriander oder Kurkuma und Knochenleim. Die Ausstellung des Bieler Künstlers im Kunsthaus Pasquart findet im Rahmen der Auszeichnung mit dem Manor Kunstpreis statt.

Gil Pellaton — Turnstange trifft Armbanduhr

Biel — Eine gespitzte Holzstange ragt den Besucherinnen und Besuchern im Korridor entgegen, wie ein Spiess, der sich dann jedoch als zahmer Handlauf über den Tischvitrinen entlangzieht. Vielleicht ist es auch der Holz gewordene Erzählfaden, der die Eintretenden abholt und bis in den ersten Saal begleitet, wo sich die Holzstange jäh verabschiedet. Nicht, ohne vorher noch ein Rätsel zu knoten: Am Ende der Stange hängt eine Armbanduhr an einem überlangen Lederband. ‹Each exercise has a specific purpose›, 2022, heisst die Installation. Jede Übung hat ein bestimmtes Ziel. Aber welches? Der Ausstellungsparcours, den Gil Pellaton (*1982) für das Kunsthaus Pasquart geschaffen hat, hat durchaus etwas Narratives. Eine Geschichte im herkömmlichen Sinn erzählt er allerdings nicht. Der Künstler begnügt sich mit Andeutungen, Rätseln, interessanten kleinen Hinweisen. Den Spiegeln zum Beispiel, die sich an verschiedenen Stationen der Ausstellung finden. Es sind aus Aluminium gegossene Formen, die an Handspiegel mit Griff erinnern. Die Spiegelfläche ist bei einigen Objekten mithilfe von Wachs und Tigerbalsam mattiert. Vielleicht sind es auch keine Spiegel, sondern Tischtennisschläger? Kleine Bratpfannen? In zwei Videos, die auf eine grosse, zwei Säle durchspannende Leinwand projiziert werden, kommen die Spiegel als Lichtreflektoren zum Einsatz. Ein Gleissen spritzt von den Spiegeln, hüpft blendend hell über eine bewegte Wasseroberfläche. Dazu erklingt das Glucksen, Klatschen und Murmeln eines leichten Wellenschlags.
Pellaton verbindet einfache Motive zu kryptischen Bildern und erzeugt so einen ganz eigenen Bildkosmos, etwas abseits von den zurzeit stark verbreiteten Erzählungen rund um Identitätsfragen. Man folgt seinem eigenwilligen Parcours neugierig, auch oder gerade weil nicht ganz klar ist, wohin die Reise führt. Pellaton hält sich an die alte Regel: Kunst beantwortet keine Fragen, sie wirft sie auf. In der Passage zur Salle Poma hängen aus Kurkuma und Knochenleim geformte, übergrosse Blattobjekte an geschwungenen Aluminiumstangen und evozieren eine herbstlich gelbe, minimalistische Waldszenerie. In der Salle Poma schliesslich hängen miteinander verknotete Stoffbahnen von der Decke, wie eine Ausreisserleiter – ‹How one by hap they humane figure lost›, 2021 – als sei der Künstler oder der Protagonist der Geschichte gerade eben aus der Erzählung abgehauen. Am Boden, von einem Spot angestrahlt, ein Spiegel aus Aluminium. Oder ist es doch ein Tischtennisschläger?

Bis 
27.03.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Gil Pellaton 28.01.202227.03.2022 Ausstellung Biel/Bienne
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Gil Pellaton

Werbung