Catrin Lüthi K

Catrin Lüthi · Wander-box/Weil, 1996

Catrin Lüthi · Wander-box/Weil, 1996

Besprechung

Yvonne Höfliger führt die neue, städtische Galerie in Uster als Zentrum für Kunst und Gestaltung. Im 19. Jahrhundert wurden Museen für Kunst und Geschichte gebaut, da die beiden Felder als beziehungsreich galten. Heute stehen Wechselwirkungen zwischen Kunst und Gestaltung im Vordergrund. Die Eröffnungsausstellung mit Werken von Catrin Lüthi K (*1953 in Davos) ist ein Beispiel dafür.

Catrin Lüthi K

Wenn die im Raum Basel wohnhafte Künstlerin mit ihrer Kamera durch Basel, Strasburg oder Wien streift, ist ihr Auge auf Gestaltetes gerichtet. Auf Situationen, die sich ihr im Moment der Wahrnehmung als über sich selbst hinausweisende Form- und Raumkonstellationen zeigen. Kaum liegen die Kontaktabzüge vor ihr, greift die Künstlerin zum Stift und sucht in der gestaltenden Veränderung das zu finden, was sich ihr damals über das alltäglich Sichtbare hinaus als rhythmische Schichtung, als Ausstrahlung, als Auflösung von Zwei- und Dreidimensionalität zu erkennen gab. Als verzinkte Stahlblechbüchsen mit laminierten Farbkopien der bearbeiteten Fotografien (A3/A4) finden die «Wanderboxen» schliesslich den Weg in die Ausstellung. Zu Unrecht sind sie für Catrin Lüthi K quasi Nebenbei-Arbeiten, denn es lässt sich an ihnen die zentrale Denk- und Arbeitsmethode der Künstlerin ablesen: Das Sichtbare anders sehen und gestalten, um das Emotionale, Symbolische, Persönliche mit hineinzupacken.«Sprache dicht neben dem Herzschlag» suche sie, schreibt die Künstlerin in der Textarbeit, die Teil der Ausstellung ist und demnächst in einer Publikation zusammen mit Fotografien, Werkabbildungen und einer Audio-CD erscheinen wird. Entscheidend war der Moment, da «ich das Herz geklaut» habe, «ausgestülpt wie ein Klumpen aus dem Körper». Seither braucht Catrin Lüthi keine Hüllen formenden Schnittmuster mehr, sondern arbeitet am Organ selbst; mit Blei und Wachs, mit Stoff und Holz, mit Öl auf Papier. «Nimm das Herzstück/und miss die Höhlung deiner Hände/Wachswärme schmilzt durch die Haut/ohne die Form zu zerstören». Faltstrukturen sind gleichzeitig auf- und zuklappbar, ähnlich wie in plastischen Arbeiten und ortsspezifischen Eingriffen im Umfeld von Möblierung und Architektur, die im Werk der Künstlerin breiten Raum einnehmen.Schnittmuster und Baupläne sind nicht zufällig vergleichbar. Hüllen und Körper stehen in vielfältigstem Dialog. Doch ob Körper-, Architektur- oder Möbelstück – immer geht es um Öffnung, um Durchlässigkeit, um Transparenz; Keile öffnen Festgefügtes, Löcher graben sich in den Boden, Schalen schichten sich zu Türmen, Bänder umwickeln Luft, Winkelobjekte vermessen Räume. Und alles ist immer beides: Körper und Konstruktion, Herz und Werk, Form und Funktion, Bild und Gedanke, Materie und Ausstrahlung. Da, wo sich die Pole reiben, wo sich Paradoxes begegnet, wo Einsicht und Ausblick, Sehen, Fühlen, Denken und Schaffen einander treffen, da entsteht Catrin Lüthis Kunst. Werkgespräch mit der Künstlerin am 30.3., 19.30 Uhr.


Bis 
15.04.2000
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Christa de Carouge, Catrin Lüthi K 05.03.200016.04.2000 Ausstellung Uster
Schweiz
CH
Künstler/innen
Catrin Lüthi K
Autor/innen
Annelise Zwez

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