Christoph Andres

Christoph Andres · Bilder im Atelier; Foto: Christoph Andres

Christoph Andres · Bilder im Atelier; Foto: Christoph Andres

Besprechung

Die ausgestellten sechs Gemälde von Christoph Andres mit dem Titel «Schwarz, I-VI» von 1997 scheinen auf den ersten Blick auf die grundlegenden schwarzen «Ikonen» von Kasimir Malewitsch mit den geometrischen Grundformen Quadrat, Kreuz und Kreis anzuspielen. Auch die Formate stimmen mit diesen überein. Erst allmählich eröffnen sich die komplexen visuellen und gegenständlichen Differenzierungen der jeweiligen schwarzen Fläche, in welcher mehr und mehr Unterschiede sichtbar werden.

Christoph Andres

Diese lassen erkennen, dass in ihnen gegensätzliche, fast unvereinbare Wahrnehmungsebenen miteinander visuell verschmelzen. Denn diese schwarzen Flächen sind Siebdrucke mit bis zu neun Schichten von unterschiedlichen schwarzen Druckfarben (matt oder glänzend, dicht oder transluzid, grau oder schwarz) auf weiss lackierten, abgerundeten MDF-Platten, die beinahe immateriell wirken und wie Lichtwolken vor der Wand schweben. Das Ausgangsmaterial dieser Arbeiten sind gerollte Zeichnungen, Tusche auf Bütten, die in Transportrollen gesteckt sind, so dass die Zeichnungen zugleich als materielle Körper gezeigt werden, als Papierblätter, die zusammengerollt aufbewahrt und versandt werden können. Die Zeichnungen im Kartonrohr werden dann in einen runden oder quadratischen Behälter gelegt. Von diesen eigenartigen dunklen Gegenständen macht Christoph Andres schwarzweisse Fotos, die dann als Siebdrucke in einem vielschichtigen Duplexverfahren auf Holztafeln übertragen werden und ihrerseits in ihrem Status mehrdeutig sind: Es sind gedruckte Fotos, Malerei – mit einer Vielzahl von minimalen Differenzierungen innerhalb einer sehr eng begrenzten Farbpalette – und ästhetische Objekte, deren materielle Realität offensichtlich ist und sich zugleich als weisses Leuchten nahezu transzendiert.In diesen geometrischen schwarzen Flächen treten einzelne parallele weisse Linien auf, die so leuchtend sind, dass sie die Fläche aufzubrechen scheinen und wie Risse wirken. Faktisch zeigen diese Linien unterschiedliche Typen von Kanten: Kanten der Packröhren, weisse Ränder des bemalten Papiers. Durch die Beleuchtung und die komplexen Druckverfahren, jedoch ohne Eingriff in das Negativ oder das Entwicklungsverfahren, werden diese Linien so herausgearbeitet, dass auch diese, wie die schwarze Fläche, die durch Farbauftrag, Farbschwankungen und Verschmutzungen visuell differenziert ist, primär malerisch wahrnehmbar werden.


Bis 
12.05.2000
Institutionen Land Ort
Galerie im Heppächer Deutschland Esslingen/N
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Christoph Andres 01.04.200013.05.2000 Ausstellung Esslingen/N
Deutschland
DE
Künstler/innen
Christoph Andres
Autor/innen
Johannes Meinhardt

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