Dominique Lämmli

Dominique Lämmli · Ohne Titel, 1999; Lambda Chrome, Aufl. 4, 120x146,5 cm; Courtesy Kunsthaus Aarau

Dominique Lämmli · Ohne Titel, 1999; Lambda Chrome, Aufl. 4, 120x146,5 cm; Courtesy Kunsthaus Aarau

Besprechung

Dominique Lämmli (*1964), die Gewinnerin des diesjährigen Manor Kunstpreises in Aarau, fällt seit einigen Jahren durch ihre spröd-poetischen Werke auf. Mit untrügerischer Sicherheit bewegt sie sich in ihrer Arbeit zwischen den Disziplinen, indem sie Begriffe wie Skulptur und Zeichnung und, wie hier in Aarau, das vielschichtige Potential von Wort, Bild, Zeichen und Linie spielerisch auslotet.

Dominique Lämmli

Die rosafarbene Linie am Boden stösst sperrig in den Raum vor, zögert, bricht zur Seite aus, überschneidet sich, setzt neu an, windet sich mehrmals um sich selber und bricht ab, genauso unvermittelt wie sie begonnen hat. Noch bevor wir uns in der traumartigen Welt der Bildtafeln an den Wänden verlieren, legt uns die Bodenzeichnung eine Poetik des Erzählens nahe, eine, die auf Brüche, Sprünge, Wiederholungen und Auslassungen vertraut, und damit auf die Imaginationskraft der Betrachtenden.Eine merkwürdige Geschichte, bestehend aus verschieden langen «Sätzen», scheint da erzählt zu werden. Jeweils als Gruppe abgesetzte Wort- Bildtafeln ziehen sich auf Augenhöhe den drei Wänden entlang und suggerieren eine lineare Lesbarkeit, die sich rasch als Illusion erweist. Auf dichtem Raum drängt sich uns eine Fülle ornamenthafter Strukturen und comicähnlicher Figuren und Szenerien entgegen, entfaltet sich vor unseren Augen eine Welt voller mythischer, submariner, abenteuerlicher und archetypischer Anspielungen: Eine Schlange züngelt gefährlich nahe am Gesicht eines Schlafenden, ein Mädchen blickt verträumt ins Wasser, ein Oktopus schwebt durch den Bildraum... Irgendein Bildzeichen trifft sich mit eigenen Vorstellungen, Ängsten, Hoffnungen und Erfahrungen, evoziert Gefühle oder setzt Fantasien frei. Doch bleibt letztlich das Woher und Wohin dieser Szenarien in der Schwebe. Vieldeutig offen bleiben auch die eingestreuten Satzfragmente, in denen andeutungsweise von Gewalt, von Messern und Klingen die Rede ist, von Unschuld, von sanftem Rot, von rotem Saft und aufgestautem Blut.Lustvolles Eintauchen und distanzierte Reflexion: Beide Reaktionen sind in dieser Arbeit konstitutiv angelegt. Dominique Lämmlis Vorgehen, mit vorhandenem Bildmaterial zu erzählen – sie bearbeitet es von Hand oder mit dem Computer, transformiert, kopiert, fragmentiert, fügt neu zusammen – und dieses Verfahren gleichzeitig transparent zu machen, erzeugt nicht nur verführerische Welten. Es generiert auch, ästhetisch wie inhaltlich sowie in seinen sprachtheoretischen Bezügen, höchst komplexe Gebilde. Für die im ständigen Gebrauch und raschen Zirkulieren zu Stereotypen geronnenen Bildzeichen und Worte hat dieses Verfahren aber auch – im metaphorischen Sinn – die Wirkung eines Jungbrunnens: Es gibt ihnen ihren vielschichtigen Bedeutungs- und Assoziationsreichtum zurück. In der Galerie Friedrich in Bern zeigt Dominique Lämmli neue Bildtafeln, in einer dem Galerieraum angepassten Inszenierungen.


Bis 
27.04.2000
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Dominique Lämmli 10.03.200028.04.2000 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Autor/innen
Elisabeth Gerber
Künstler/innen
Dominique Lämmli

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