Hanspeter Hofmann

Hanspeter Hofmann · Titel, 1999; Acryl auf Leinwand, 220 x 150 cm

Hanspeter Hofmann · Titel, 1999; Acryl auf Leinwand, 220 x 150 cm

Besprechung

In zwei Ausstellungen in Zürich und Wien sind zur Zeit die abstrakten Malereien des Schweizer Künstlers Hanspeter Hofmann (*1960) zu sehen. Während in der Galerie Walcheturm Arbeiten aus den letzten zwei Jahren ausgestellt sind, werden im mezzanin ausschliesslich ganz neue Werke gezeigt.

Hanspeter Hofmann

Ausgangspunkt für das künstlerische Schaffen Hanspeter Hofmanns bildete eine Serie von Holzschnitten. In der Funktion einem mittelalterlichen Musterbuch ähnlich, wurde von Anfang an das Formenrepertoire für die grossformatigen Acrylbilder konzeptuell festgelegt. Netzartige Strukturen, Kringel und bunte Kreise, vor einem silbrig matten, technoid anmutenden Hintergrund schwebend, sind seither konstituierende Elemente von Hofmanns Bildwelten. Das künstliche Konstruieren von molekularen Ideallandschaften entspricht dem natürlichen Wachstum organischer Strukturen. Jede Bildfindung kann dabei partiell wieder Ausgangspunkt für weitere Neuschöpfungen werden. Das Ineinanderwachsen der Bilder ist somit ebenfalls Metapher für Intertextualität und weist auf die Verstrickung mit malerischen Traditionen hin. Die vielfarbigen Bilder erinnern nun einerseits an ein allover-Konzept, andrerseits sind sie ausbalanciert und verhehlen die kompositorische Anlage nicht. In den jüngsten Arbeiten Hofmanns dehnen sich zwischen dem Linienwirrwarr Flächen aus und werden zu Schwerpunkten. Durch die dargestellte Blasenbildung scheint die Oberfläche unter grosser Spannung zu stehen, so dass sich die Formation jederzeit zu verändern droht. Die hier eingefrorene Potenzialität weist demnach fotografische Qualitäten auf. Der fruchtbare Augenblick ist eine Momentaufnahme des Herauskristallisierens einer Figuration, wie sie sich in kleinen Ausschnitten, in tausendfacher Vergrösserung unter dem Mikroskop zu einem bestimmten Zeitpunkt zeigen kann. In der silbernen Nährlösung verändern sich jedoch permanent die Formationen, ebenso wie sich Hofmanns Bilder dem Betrachter durch das Spiegeln des Malgrundes je nach Standpunkt und Lichteinfall stets von Neuem präsentieren. Mit diesem Changieren der Zustände korrespondiert die medienübergreifende Problemstellung, die in den Wechselwirkungen von kontextspezifischen Feldern, von Kunst und Wissenschaft, reflektiert wird. Mezzanin, Wien, 12.4. bis Ende Mai.


Bis 
31.03.2000
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Hanspeter Hofmann 18.02.200001.04.2000 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Hanspeter Hofmann
Autor/innen
Philipp Kaiser

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