hARTware projekte, «Chiffren und Legenden

Ana Torfs · Du Mentir -Faut, 2000, Dia

Ana Torfs · Du Mentir -Faut, 2000, Dia

Besprechung

Zum mittlerweile zweiten Mal stellen die Kuratoren Hans D. Christ und Iris Dressler in den Räumen der Dortmunder hARTware projekte eine Themenausstellung zusammen, die längst nicht nur an den Neuen Medien orientiert ist.

hARTware projekte, «Chiffren und Legenden

«Chiffren und Legenden» heisst der aktuelle Anschlag auf Rezipientengewohnheiten der beiden Inhaltsaktivisten, die unter anderem schon für «Reservate der Sehnsucht» und «Dis-Location» verantwortlich zeichneten. Der thematische Rahmen ist wieder einmal gewohnt weit gesteckt. Chiffren gehören nicht erst seit der Moderne zum Alltag; von jeher fanden sie Verwendung, um Nachrichten zu verschlüsseln und zu verrätseln, sie also nur für Eingeweihte lesbar = dechiffrierbar zu machen. Legenden dagegen bilden aus bestimmten (meist auf Tatsachen beruhenden) Informationen stark veränderte, transformierte Versionen. Vielfach beziehen sie sich auf Orte, dann wieder auf Geschehnisse und häufig lassen sie sich an bestimmte Personen koppeln. «Chiffren und Legenden» spürt nun all diesen Bezügen nach. Natürlich liegt das Augenmerk dabei vorwiegend auf Arbeiten der Videokunst, ein konzeptueller Ansatz, der jedoch erfreulicherweise durch eine raumgreifende Installation der Medienkunst-Stipendiatin Ilona Plattner und durch die Präsentation der Gouachen von Anne Brégeaut gebrochen wird. Brégeauts Serie zeigt ein Mädchen, das gleichsam stückweise Körperteil für Körperteil aus dem Nichts entsteht. «Würdest du mich trotzdem lieben?» steht unter jeder Arbeit geschrieben. Eine tragische Chiffre für das Begehren beziehungsweise Begehrt-werden-wollen. Die Legende vom kreativen Subjekt und von der Männlichkeit untersucht der Spanier Mira Bernabeus in seiner zweistündigen Videoarbeit «Die Geheimnisse des Körpers». Ein muskulöser Jüngling bewegt sich vor schwarzem Hintergrund mal tänzerisch, mal selbstverliebt, mal pathetisch und mal grotesk zu zeitgenössischer elektronischer Musik.Am deutlichsten spielt Ana Torfs in der Diaarbeit «Vom falschen Lügen» den Mythos vom Subjekt mit all seinen Leidenschaften gegen die Legende einer historischen Persönlichkeit aus. Jeanne d’Arc, die Heldin der Revolution, ist Ausgangspunkt der Arbeit. Doch nirgends wird sie namentlich genannt. Torfs kombiniert Textausschnitte von Verhörprotokollen mit Schwarzweissbildern einer Frau in unterschiedlichen Gemütszuständen. Die Überblendungen suggerieren eine sinnhafte Struktur, dabei obliegt es stets dem Betrachter selbst, aus dem gelieferten Material eine neue Geschichte, eine Legendenvariante zu konstruieren.


Bis 
07.04.2001

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