Gouglas Gordon im Kunsthaus

Douglas Gordon · Installationsanasicht 2. Etage, Kunsthaus Bregenz, 2002M; Foto: KUB/Markus Tretter

Douglas Gordon · Installationsanasicht 2. Etage, Kunsthaus Bregenz, 2002M; Foto: KUB/Markus Tretter

Besprechung

Vom viel gerühmten Kunsthaus Peter Zumthors mit seinen samtweichen Betonwänden und den wohl proportionierten Ausstellungsräumen ist dieses Mal reichlich wenig zu sehen. Der irische Shooting Star Douglas Gordon macht einfach das Licht aus. Auf drei Etagen breitet er – mehr oder weniger im Dunklen – «Die privaten Memoiren und Bekenntnisse eines gerechtfertigten Sünders» seines Landsmannes James Hogg aus und schickt den Betrachter dabei auf einen Parcours, der in ganz unterschiedlicher Weise Wahrnehmung und literarische Vorlage, körperliches ausgeliefert Sein und die vielschichtigen Inszenierungen des Doppelgängermotivs verschränkt.

Gouglas Gordon im Kunsthaus

Die Geschichte des «gerechtfertigten Sünders», des fanatischen Calvinisten Robert Wringhim, der aus religiösem Eifer zum Mörder wird, erzählt der 1770 geborene irische Dichter aus drei verschiedenen Erzählperspektiven. Die Geschichte scheint Gordon regelrecht auf den Leib geschrieben: Hatte das Böse und die Gespaltenheit des Ichs zuvor seinen Platz in existierendem und minimal verändertem Filmmaterial, wird es hier zum unmittelbaren Handlungsraum: Gordon selbst kopiert in akkurater Schönschrift Seite für Seite den mittleren, fiktional autobiografischen Bericht Wringhims.

Eine perfide Aneignung, die im ersten Stock des Kunsthauses eine überraschende Umsetzung findet, wenn diese Niederschrift auf einer alten Offset-Maschine während der Ausstellung gedruckt wird. Der Katalog entsteht so unter den Augen der Ausstellungsbesucher als «Work in progress», dessen Ergebnis – die bedruckten Papierstapel mit ihrer mörderischen Geschichte – sich erst im folgenden Stockwerk erschliesst.

Der Lärm klärt sich hier und wird zum Text, den der Betrachter in einem nur mit Schwarzlicht «erleuchteten» Raum als – siebenstündiges – Hörstück zumindest partiell erfahren kann. Den derart in seine eigene Gefühlswelt wie in das Innere des Textes abgetauchten Hörer empfängt im letzten abschliessenden Stockwerk eine monumentale, doppelseitige Videoprojektion: Der Fanatiker erhält ein Gesicht, einen Körper und sein nun offen zu Tage tretendes Doppel, das nun der im Zuge der Inszenierung aufgebauten Spannung und dem gesichtslosen Grauen ein Gesicht gibt, welches das dämonische Böse auf erstaunliche Weise unterläuft: Der religiöse Extremist ist hier enger Freund des Künstlers eher ein Candide als ein amoklaufender Fanatiker. Im calvinistischen Gotteskrieger wird ein Suchender, ein durch sein Streben Gerechtfertigter sichtbar, dessen religiöse Sinnsuche in Mord und Schuld mündet. Ein dreibändiger Katalog erscheint nach Ende der Ausstellung.
Bis 1.4

Autor/innen
Martin Engler
Künstler/innen
Douglas Gordon

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