Compléments d’objets im Musée de design et d’arts applicés contemporains (Mudac)

Tropfenfänger

Tropfenfänger

Besprechung

Er fehlt uns manchmal, der Teller-Clip für die Stehparty, der Tropfenfänger oder Kaffeefilter-Knickschutz. Das Ausstellungsprojekt «Compléments
d’objets», das von den Berliner Designern Jörg Adam (*1968) und Dominik Harborth (*1968) im Rahmen eines Stipendiums von Schloss Solitude konzipiert und nun zum erstenmal in der Schweiz zu sehen ist, nimmt Dinge unter die Lupe, die unter das Label Zusatzartikel fallen. Adam & Harborth verpassen den Alltagsgegenständen ein Update.

Compléments d’objets im Musée de design et d’arts applicés contemporains (Mudac)

Chantal Prod’hom, die Direktorin des Mudac, liebt es, mit porösen Grenzbereichen zu experimentieren, im Sinne einer Kunsthalle, die sich nicht auf die eigenen Sammlungsbestände beschränkt. In vergangenen Themenausstellungen, die oft mit einer Prise Humor gewürzt waren, wie etwa «Camouflage», versammelt sie Objekte von Graphikern, Designern, Künstlern und Architekten sowie aus der Modewelt und macht zugleich deren Abgrenzungen transparent. Auf diese Weise modelliert Sie mit feinem Gespür für unsere Alltagskultur, die Identität des Designmuseums, das durch die Verknüpfung von Bildender Kunst und Design eine einmalige Position in der schweizerischen Designlandschaft einnimmt.

Der amüsant absurde Auftritt der Dinge, die ohne ihr Trägerobjekt gezeigt werden, ist doppelbödig: Die meisten der zierlich und eher nüchtern wirkenden Gegenstände aus buntem Kunststoff, die sich in Vitrinen und auf hohen Sockeln ansammeln, scheinen auf den ersten Blick weder einen Zweck zu erfüllen, noch Fossilien des Ready-Made Prinzips zu sein. Es sind Massenartikel, die sich in unserer Versandhaus-Warenästhetik als Unikate präsentieren. Hier setzen Adam & Harborth mit ihren Compléments d’objets (Helfershelfern) ein und greifen dadurch in einen bereits abgeschlossenen Designprozess ein.

Wo hört das Designobjekt auf und an welcher Stelle wird es zum Gebrauchsgegenstand? An dieser Schnittstelle halten sich Adams & Harborths Aufsätze und Überzüge aus Niedrigpreis-Objekten auf, die alle unter zehn Euro kosten. Die Zusatzobjekte heften sich wie Komplizen an ihre Träger, sie bleiben jederzeit abnehmbar und verlieren dadurch ihren Sinn, denn sie sind gemacht, um die Nutzungsdifferenz des Trägerobjekts zu kommentieren, so die Künstler. Die Bedienungsanleitung der unverpackten Objekte ist versteckt auf die Rückseite der Gegenstände montiert. Ein Zettelkasten kann vom Besucher mit Notizen gefüttert werden, wenn er die Funktion einiger der anonymen «Accessoires» errät.

Bis 
31.05.2003

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