Henrik Olesen im Museum Abteiberg

Henrik Olesen · Installationsansicht, Detail, 2003

Henrik Olesen · Installationsansicht, Detail, 2003

Besprechung

Ein Raum mit vier Titeln: «Hosni Mubarak, Aaron McKinney, Richmond, Belgrad» hat der Däne Henrik Olesen seine Ausstellung im Museum Abteiberg überschrieben. Mubarak lässt schwule Männer verhaften, McKinney mordete einen homosexuellen Studenten. Richmond ist der Ort eines Verbrechens, in Belgrad werden demonstrierende Schwule und Lesben von rechten Schlägern terrorisiert. Da ist vieles versammelt, aber der marmorgeflieste Raum im Untergeschoss des Museums wirkt trotzdem fast leer.

Henrik Olesen im Museum Abteiberg

Mattweisse Papptafeln hängen ungerahmt auf den vier Wänden. Mit Bleistift hat Olesen kleine und grosse Raster vorgezeichnet und sorgfältig Bildchen eingeklebt, die er sich im Internet beschafft hat. Hunderte von winzigen Porträts zeigen das Immergleiche: den Mörder McKinney in seiner orangefarbenen Gefängnisjacke. Dasselbe desinteressierte Gesicht des Angeklagten, vom Computer verwandelt: schwarzweiss, durchgefärbt, aufgehellt oder solarisiert. Auf der gegenüberliegenden Wand reiht Olesen Politiker, die Mubarak verbindlich die Hand schütteln (Blair, Schröder, Fischer, Bush), weitere Tafeln vereinen Slogans und Logos der homosexuellen Szene: «Homophobia» steht über einem roten Kreis, durchgestrichen wie ein Parkverbot; der Schriftzug «Thom of Finland» beschwört den erotischen Comichelden inmitten von Magazintiteln oder Schriftzügen wie «HateCrime.org». Als habe Olesen nach einer Nacht der Internetrecherche richtig Ordnung in den Papierkorb gebracht – mit einem Fleiss, der die Obsession abzirkelt und das Medium fürs Museum ausmisst.

Wann werden die Verbindlichkeiten der Subkultur verhandelt? Ein Name für einen Ort: ein Wort wie «Christopher Street», das steht für Geschichte. Gewesene Gewalt und alltägliche Homophobie verwandelte sich in jährliche Paraden und einen weltweiten Gedenktag. Gemeinsam hat man die dürren Lettern, die Linien und Balken der Buchstaben aufgesammelt und ein weiches Nest daraus gemacht, in dem die Erinnerung an das Erlittene und die Beschwörung der Gemeinschaft gleichermassen gut aufgehoben ist. Aber die von Olesen multiplizierte Bild- und Buchstabenflut ist gefiltert und gekühlt. Kein Monument, sondern ein sehr minimalistisches Arrangement, dessen klare Ausstrahlung Gewalt, Sex und Historie zum sichtbaren Konstrukt frostet.

Bis 
20.04.2003
Institutionen Land Ort
Städt. Museum am Abteiberg Deutschland Mönchengladbach
Autor/innen
Catrin Lorch
Künstler/innen
Henrik Olesen

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